Schweden – das erste Land mit Minuszins

Ohne grosses Aufsehen zu erregen hat die schwedische Reichsbank (Riksbank) die Zinsen für Geldanlagen unter Null im Juli gesetzt. Das ist erstaunlich, denn damit geht die schwedische Zentralbank einen ganz neuen Weg um die Wirtschaft anzukurbeln. Sie ist damit die erste Notenbank der Welt die so eine drastische Massnahme ergriffen hat.

Bereits im Januar 2009 hat die schwedische Notenbank mit einer historischen Zinssenkung sich gegen die Wirtschaftskrise gestemmt. Sie kappte den Leitzins damals auf 1,0 Prozent. Das war schon das niedrigste Zinsniveau seit Beginn der Aufzeichnungen zur schwedischen Zinspolitik im Jahr 1907. Jetzt ist der Zins sogar unter Null, weltweit einmalig.

Bei der Riksbank liegt jetzt der Zins für Geldanlagen bei minus 0,25 Prozent. Wenn Banken dort Geld deponieren müssen sie sozusagen Strafe zahlen. Zum Vergleich, im Jahre 1996 lag der Zins bei plus 8 Prozent, so einen hohen Zins kann man sich gar nicht mehr vorstellen. Seit dem ist er kontinuierlich gesunken und liegt jetzt bei unter Null.

Der wichtigste Vertreter dieser Zinspolitik ist der Vizegouverneur der Riksbank Lars Svensson, ein weltbekannter Experte für Geldpolitik und enger Freund von Ben Shalom Bernanke dem FED Chef, seit dem sie beide an der Princton Universität zusammenarbeiteten.

Svensson weist die Gefahren aus einer Minuszinspolitik als übertrieben ab. Er sagt, „da ist nichts fremdartiges an negativen Zinsen.“ Wie bitte? Das stellt doch das System auf den Kopf. Jedenfalls sendete diese „mutige“ Entscheidung ein kräftiges Signal in die Märkte und sie haben es offensichtlich verkraftet. Statt das Geld bei der Zentralbank anzulegen, geben die Banken es untereinander weiter oder spekulieren damit an den Märkten um die Strafe zu vermeiden. Deshalb die klünstlich aufgeblähten Aktienkurse in letzter Zeit. Der Wirtschaft hat es aber bisher noch nichts genützt.

Durch diesen Tabubruch mit Minuszinsen wurde ein wichtiger Präzedenzfall geschaffen, den andere Zentralbanken folgen könnten. Es zeigt wie schlecht die Situation im Finanzsystem ist, wenn man zu so drastischen und einmaligen Massnahmen greifen muss. (Quelle: http://alles-schallundrauch.blogspot.com/)

21. April 09 / Neue Werte für die Wirtschaft -Alternativen zum Casino-Kapitalismus / Neuhofen an der Krems

Am Dienstag den 21. April, wird Christian Felber um 19 Uhr im Schloss Gschwendt in Neuhofen zum Thema Neue Werte für die Wirtschaft -Alternativen zum Casino-Kapitalismus referieren, im Anschluss wird er für eine Diskussion zur Verfügung stehen. Christian Felber ist Mitbegründer von attac Österreich

Veranstalter: Die GRÜNEN Neuhofen in Kooperation mit dem Talentetauschkreis Neuhofen

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Dreharbeiten des ORF für die Sendung Konkret über den Krems-Taler

Liebe Tauschkreis-Freunde, es hat uns alle nun doch etwas überrascht, dass der ORF sehr spontan am Freitag Vormittag zu Dreharbeiten nach Neuhofen gekommen ist. Der Beitrag wird in 2 bis 3 Wochen in der Sendung Konkret um 18:30 im ORF 2 ausgestrahlt. Thema war, was wir in Neuhofen im TTK so machen, wobei die Inhalte eigentlich auf regionale Tauschaktivitäten und Erfahrungen beschränkt waren.

Folgendes wurde vom 3-köpfigen Kamerateam gedreht:
– Ausgraben von Topinampur bei Bernhard Gruber
– Autoreifenwechseln bei mir
– Kekse backen durch Oberhuber Theresia
– Marmelade eintauschen von Roswitha Weiss

Zusätzlich wurde über folgendes berichtet:
– Beispiel Tauschmarkt: Ella und Edgar Staufer
– Beispiel Haustausch und Fahrgemeinschaft durch mich

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Rückzugsgefechte einer jungen Zivilisation

Angesichts der Ölpreissprünge werden die Überlegungen über eine W elt ohne Öl immer konkreter

Es ist Sommer, die Mücken tanzen zwischen den Bäumen, zwei Freunde kommen vom Fischen, sie lassen sich Zeit. Der eine war einmal ein erfolgreicher Werbefachmann. Das ist lange her. Jetzt hat er Zeit. Viel Zeit. Der andere ist Priester. Die sind gefragt, nach all den Toten. Sie gehen zu Fuß. Dies ist die Zukunft. Mitten im Naturidyll Amerikas. Doch nichts ist, wie es zunächst scheint, in dieser neuen Welt irgendwann um das Jahr 2030. Autos gibt es nicht mehr, weil es kein Benzin mehr gibt. Telekommunikation, Internet, Stromversorgung sind zusammengebrochen. Die Highways, auf denen keiner mehr fährt, verfallen, keiner kümmert sich darum, mit was auch. Und es ist heiß, viel zu heiß. Der Asphalt zerreißt, die leeren Häuser verfallen, die Natur erobert den Planeten zurück.

Eine große Zahl der Menschheit wurde dezimiert durch Seuchen, gegen die es keine Medikamente mehr gibt, genau weiß man es im Dorf nicht, der Kontakt zur Außenwelt ist spärlich. Kinder sieht man selten, sie hat es am schlimmsten getroffen in den großen Grippewellen. Von einem Heiligen Krieg haben manche noch gehört in den seltenen Radiosendungen, irgendwo im Nahen Osten, ehe die Bomben über Washington und Los Angeles explodierten. Spätestens dann muss alles zusammengebrochen sein, irgendwo soll zwar noch die Ruine einer Bundesregierung existieren, doch eigentlich ist längst jedes Dorf, jeder Hof auf sich gestellt. Egomanen herrschen in isolierten Städten, ehemalige Kleinkriminelle plündern die Luxusvillen in den verlassenen Suburbs und verkaufen die Rohstoffrelikte aus der Alten Zeit: Plastik ist begehrt, weil man es nicht mehr herstellen kann. Schläuche. Eimer. Die Welt ist archaisch geworden. Und ziemlich konservativ.

Grundlage der Weltwirtschaft

In dem Roman „World Made by Hand“ ist die Zivilisation auf dem Rückzug, und die Menschen akzeptieren diesen Niedergang mit einer Mischung aus Apathie und Pragmatismus. Hier herrscht noch keine völlige Anarchie wie in den „Mad Max“- und „Waterworld“-Phantasien des Kinos, in denen viel und laut gekämpft wird. Nein, Glück besteht aus harter Arbeit, Heustadeltänzen und Dorfversammlungen. Nicht von ungefähr mutet der Roman an wie ein Lobgesang auf die Zeit von „Unsere kleine Farm“ – er wurde von einem Amerikaner verfasst, der schon lange Amerikas Lebensstil geißelt: James Howard Kunstler. Er hat sich in provozierenden Sachbüchern wie „Home from Nowhere“ als Kritiker der Suburbanisierung hervorgetan und den „New Urbanism“ propagiert, der den Autostädten eine neotraditionelle Stadtplanung entgegensetzt. In „The Long Emergency“ postulierte er die Grenzen jeglichen Wachstums in der Tradition der berühmten Studie des Club of Rome von 1972.

„World Made by Hand“ beschreibt die Zukunft in einem Amerika, in der die Ära des Erdöls zu Ende gegangen ist. Es ist kein literarisches Meisterwerk, aber eine Art Handbuch für eine Theorie, die sich von Amerika nach Großbritannien und inzwischen auch im kontinentalen Europa verbreitet hat, die Theorie des „Peak Oil“. Dabei geht es um den ominösen Zeitpunkt, an dem die Ölförderung nicht mehr erhöht werden kann, die Nachfrage aber weiter steigt. Sobald die Ölförderung diesen Scheitelpunkt erreicht hat, glauben die Anhänger der Theorie, wird es vorbei sein mit dem billigen Öl. Es wird ständig teurer und knapper, Verteilungskämpfe werden einsetzen, Industrien verschwinden, schließlich die internationale Ordnung. Denn unsere Industriegesellschaften und unsere Finanzmärkte basieren auf der Annahme des ständigen Wachstums, der immer mehr von billigen fossilen Brennstoffen abhängt. Öl ist der wichtigste davon.

Die Ölproduktion stagniert seit 2005 bei etwa 85 Millionen Barrels pro Tag, dafür steigt aber der Preis. Am letzten Freitag machte er seinen bisher größten Sprung nach oben – um 11 Dollar auf 138 Dollar pro Barrel. Bis auf 200 Dollar oder mehr, schätzen Analysten von Goldman Sachs, könnte der Preis für ein Barrel Rohöl klettern. 40 Prozent des Öls, heißt es im Petroleum Review, „kommt aus Regionen, in denen die Produktion ganz eindeutig abnimmt.“ Peak-Oil-Theoretiker sehen darin ein Zeichen für den Beginn des Niedergangs. Und zunehmend nicht nur sie. Vor wenigen Jahren glaubten noch viele, Peak Oil werde erst zwischen 2015 und 2030 eintreten. Immer mehr Analysten schwenken nun um. 2010 ist das nun am häufigsten genannte Datum. Manche sagen, Peak Oil sei jetzt.

Die Tatsache, dass dieser Scheitelpunkt irgendwann eintreffen wird, stellt kaum einer mehr in Frage, auch wenn Politiker und Medien den Ausdruck lieber vermeiden und Vertreter der Theorie gern als irre Apokalyptiker abtun. So wie ihren Begründer, den Shell-Geologen Marion King Hubbert. Der hatte in den fünfziger Jahren vorausgesagt, dass die amerikanische Ölproduktion um 1970 herum ihren Scheitelpunkt erreichen würde, um dann unaufhaltsam zu fallen. Das allgemeine Gelächter einer vom Rohöl besoffenen Welt verstummte, als der Scheitelpunkt in den USA 1970 tatsächlich erreicht wurde.

Doch es sind ja nicht nur die Apokalyptiker, die vor den Folgen warnen. Als Dick Cheney noch Vorsitzender des Energiekonzerns Halliburton war, hielt er im Herbst 1999 eine Rede vor dem Institute of Petroleum. Die „Grundlage der Weltwirtschaft“, warnte er, werde bald extrem knapp werden. Die amerikanische Energiebehörde EIA veröffentlichte 2007 einen Report, in dem sie davon ausgeht, dass die Produktion 2006 ihren Höhepunkt erreicht habe. Das Aspen Institute warnte vor dem Ende des „easy oil“. Und gerade erklärte der amerikanische Finanzminister Henry M. Paulson, dass es „keine schnellen Lösungen“ für die hohen Ölpreise gebe, denn es sei ein Problem von Angebot und Nachfrage. „Die Produktionskapazitäten haben keine neuen Entwicklungen gemacht.“

„Die Frage ist jetzt: Wie steil ist der Abhang auf der anderen Seite“, sagt der Energiefachmann Matt Simmons, einst Berater von George W. Bush und Autor von „Twilight in the Desert“. Und wie wird sie aussehen, eine Welt, in der Öl nicht mehr im Überfluss vorhanden ist?

Die Zeit nach dem Peak wird eine Zeit der Kontraktion, glauben die Peakisten. Denn Öl ist nicht nur Brennstoff, es steckt in fast allem, was unsere moderne Welt ausmacht. Es ist der wichtigste Rohstoff für Kunststoffe. Es steckt in Halbleitern und Düngemitteln, in Reifen und im Straßenbelag. Moderne Medizin, Medikamente und Impfstoffe würden ohne Öl nicht existieren, ebenso wie die industrialisierte Landwirtschaft mit ihren gewaltigen Erträgen nicht möglich wäre ohne Maschinen und auf Mineralöl basierenden Düngemitteln und Pestiziden.

Zurück zur Scholle

Ein paar Jahrzehnte nach dem Peak wird es das Auto, das Symbol unseres Zeitalters der Individualität, nur noch für die Superreichen geben. Und auch für die nur eine Zeitlang. Das Leben in den endlosen Vororten Amerikas und zunehmend auch Europas wird nicht mehr möglich sein. Schlafstädte und Suburbs werden aufgegeben, Menschen wieder in die kleineren Städte und in landwirtschaftliche Gebiete ziehen. Die Metropolen werden auf die Zentren schrumpfen und entlang der Wasserwege wachsen. Eisenbahnen müssen ausgebaut werden, denn Fluglinien gehen heute schon bankrott. Der internationale Handel wird zusammenbrechen. Lebensmittel müssen möglichst lokal erzeugt werden – und mit körperlicher Arbeit. Peak Oil wäre das Ende der Globalisierung. Zugleich würden traditionelle Nachbarschaftsstrukturen wiederbelebt.

Ratschläge für die Welt nach dem Peak werden inzwischen von einem bemerkenswerten Sammelsurium aus ernsthaften Fachleuten und fragwürdigen Panikmachern ausgegeben. Da gibt es die „Techno-Fixer“, wie sie Richard Heinberg nennt, ein anderer Vordenker der Peak-Oil-Bewegung. Sie glauben, dass die Welt langfristig erfolgreich mit dem Ölmangel zurechtkommen wird – durch bessere Technologien, alternative Energien und höhere Effizienz. Ihnen wird allerdings gern vorgerechnet, dass eine solche Entwicklung gar nicht so schnell gehen kann, wie das Öl zur Neige geht.

Auf der anderen Seite bieten Apokalyptiker und „Survivalists“, die mit dem Untergang des Planeten schon immer gerechnet haben, ihre Überlebensstrategien nun für das Ende des Ölzeitalters. Denn während man in den achtziger Jahren noch nach Australien auswandern konnte, sollte man heute ihrer Meinung nach nur noch Dinge horten und einen Unterschlupf bauen. „Doomers“ nennt sie Heinberg in Anlehnung an den Tag des Jüngsten Gerichts. Und er beschreibt zugleich selbst lustvoll seine Version der Zukunft: „Extrem umweltschädliche Energiealternativen wie Kohle und Ölsand werden zum Blasebalg des Fegefeuers der Klimaerwärmung. Extremistische politische Bewegungen werden entstehen, und die Welt wird in einem Kampf um die letzten Ressourcen untergehen. Wen die Kriege nicht umbringen, der wird verhungern.“

In England preist der Arzt und Journalist Vernon Coleman gerade in ganzseitigen Anzeigen seine Version der Zukunft an: Die „Oil Apocalypse“, so der Titel, „ist kein Skript für einen Horrorfilm. In einer Generation werden fünf von sechs Menschen auf dem Planeten tot sein.“ Seinen Lesern rät er, sich auf eine völlig andere Welt vorzubereiten, „in der die Reichen Pferde reiten, die Mittelschicht Fahrrad fährt und die Armen zu Fuß gehen. Kaufen Sie kein Haus, für das Sie ein Auto brauchen.“ Auch der Held in Kunstlers „World Made by Hand“ träumt vom einem Pferd. Das ist der Luxus der Zukunft.

In diesen Tagen nun demonstrieren Inder, weil die Regierung die Benzinsubventionen gesenkt hat. Hersteller von Waschmitteln bis Computerbildschirmen warnen vor höheren Preisen. In Europa gehen Fischer auf die Straße, weil der Rohölpreis das Ausfahren inzwischen unrentabel macht. Der Preis für eine Tonne Düngemittel hat sich in den letzten Jahren vervielfacht; Fachzeitschriften für Landwirte informieren ihre Leser darüber, wie sie ihre Betriebe umbauen können – aus der Not geboren, nicht, weil man unbedingt ökologisch arbeiten will. In den USA ziehen die Bürger in die Städte, und die ersten Suburbias verelenden schon zu Slums.

Ideen aus den vierziger Jahren

Der angesehene Ökologe Bill McKibben rät zur „Deep Economy“, zur „Re-Lokalisierung“ der Produktion. Zurück zur Scholle ist ein Lieblingskonzept der Peakisten. So wie „Permakultur“, eine ökologische Antwort auf die erste Ölkrise in den Siebzigern, die auf Grundlage ethischer Leitsätze die Rückkehr zu einer nachhaltigen Landwirtschaft und Energieversorgung propagiert. Zu den neuen Survivalisten zählt inzwischen selbst jemand wie Barton M. Biggs, der frühere Chefstratege des Finanzinstitutes Morgan Stanley. Wie andere hat auch er ein Buch herausgebracht, in dem er vor dem möglichen Kollaps der Zivilisation warnt: „In Ihrem Zufluchtsort müssen Sie Selbstversorger werden und in der Lage sein, etwas Nahrung anzubauen. Sie sollten gut mit Saatgut ausgerüstet sein, mit Dünger, Konserven, Wein, Medikamenten und Kleidung. Stellen Sie sich die Familie Robinson vor.“

Wer ein Beispiel für eine gelungene Umstellung der Nahrungsproduktion für das Post-Öl-Zeitalter sucht, findet sie dann ausgerechnet in Kuba. Die Insel hat vorgeführt, wie man in der Landwirtschaft ohne Petrochemie auskommt. Als nach dem Ende der Sowjetunion die Öllieferungen ausblieben, kollabierte die vom Öl abhängige Landwirtschaft. Es drohte eine Hungerkatastrophe. Heute haben Tausende Ochsengespanne Traktoren ersetzt, an den landwirtschaftlichen Fakultäten forschte man nach Nützlingen und Bakterien, die Dünger und Pestizide ersetzen, überall gibt es Stadtgärten. Inzwischen ist Kuba in der Lage, sich selbst zu versorgen. Ohne Luxus, aber zumindest muss niemand mehr hungern. Deswegen fahren Ökologen aus aller Welt auf die Insel, um das Programm zu studieren.

In Großbritannien erklären sich Städte und Dörfer unterdessen zu sogenannten „transition towns“, Übergangsstädten. Städte wie Bristol versuchen, ihre Wirtschaft, Transportwesen, Energie- und Nahrungsversorgung zu „relokalisieren“. Die Praxis, berichtete ein Reporter des Guardian, sei allerdings weniger spektakulär. Man zeigt sich Filme über Peak Oil und Klimawandel, einige Orte haben eine eigene Währung eingeführt, mit der man lokale Produkte erstehen kann. „Es gibt Workshops für Gemüseanbau, Brotbacken und Sockenstopfen. Nun, sollte das alles ein wenig nach den vierziger Jahren klingen, dann deshalb, weil es so ist.“ Denn viele Ideen stammen aus dem Zweiten Weltkrieg, als in England jahrelang der Treibstoff knapp war.

Nach Untersuchungen der amerikanischen Energiebehörde EIA würde es 20 Jahre dauern, um die Weltwirtschaft so umzubauen, dass ein wirtschaftlicher und sozialer Kollaps verhindert werden kann. Zehn Jahre, so der Bericht, seien schon knapp kalkuliert. Bleibt noch weniger Zeit, sind Revolten, Aufstände, Ressourcenkriege und der Zusammenbruch ganzer Gesellschaften so gut wie sicher.

Vielleicht haben die „Doomers“ ja doch recht. Denn geschehen ist nicht viel, obwohl inzwischen sogar die Leiter großer Ölkonzerne vor dem nahenden Peak warnen. Ein paar Prozent Öl wird durch Biokraftstoff ersetzt, was inzwischen zur Krise in der Nahrungsmittelproduktion beiträgt. Sonne, Wind und Wasserenergie werden gefördert, bringen aber nicht annähernd genug, um Öl ausreichend und schnell genug zu ersetzen. Und das wird noch lange so bleiben. Zu lange, fürchten die Peak-Oil-Anhänger. PETRA STEINBERGER

Quelle: Süddeutsche Zeitung
Nr.132, Montag, den 09. Juni 2008 , Seite 13

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Zwei Jahre Talente-Tauschkreis „Der Krems-Taler“

Im April feiert der Talente-Tauschkreis „Der Krems-Taler“ seinen 2. Geburtstag. Kinderkrankheiten sind bisher ausgeblieben, ja noch besser, der Tauschkreis freut sich immer größerer Beliebtheit, so konnten bei den letzten Treffen immer wieder neue Talente in unserm Kreis begrüßt werden. Neben dem Auftritt im Internet unter http://www.krems-taler.co1.at, zahlreichen Beiträgen in Gemeindezeitung und anderen Printmedien und Mundpropaganda zählen gemeinsame öffentliche Auftritte zu den großen Mitgliedsbringern. So beteiligte sich der Talente-Tauschkreis mit einem Infostand mehrmals an Verkaufsaktivitäten des EZA-Ausschusses. Einen sehr guten Anklang fand der Talente-Tausch(Floh)Markt am Parkplatz beim Unimarkt, direkt an der Kremstaler Bundesstraße. Gerade solche Tausch-Märkte sind sehr wichtig, viele Dinge die wir nicht mehr brauchen, finden einen neuen Besitzer und bekommen so eine 2. Chance. Dies bedeutet keinen Schaden für die Volkswirtschaft, es ist viel mehr noch ein Beitrag zur Abfallvermeidung und ein kleiner Schritt in eine ökologischere Zukunft. Auch für dieses Jahr sind wieder zwei Tausch(Floh)Märkte geplant, der erste wird voraussichtlich am 17. Juni sein. Teilnehmen können alle Interessierten, so lange genügend Platz ist.

Beim Talente-Tauschkreis-Treffen am 9. Februar im Café Kemetmüller referierte Richard Himmelfreundpointner, ehemaliger Verkaufs-Trainer, Muliti-Talent und natürlich auch Mitglied im Neuhofner Tauschkreis, zum Thema „Wie setzte ich meine Talente richtig ein“. Viele Menschen übersehen oft die Fülle an Talenten welche sie anbieten können. Himmelfreundpointner stellte auch fest, dass Talente-Tausch kein Basar ist, es geht um Zeit, die jemand für einen anderen aufbringt, da sollte nicht um die Wertigkeit gefeilscht werden. Denn drücke ich den Preis einer Leistung, so setze ich auch den Selbstwert meines Tauschpartners herab. Ein Talente-Tauschkreis ist nicht auf wirtschaftlichen Gewinn ausgerichtet, es geht viel mehr darum Dinge zu tun welche man gerne macht oder gut kann und jemand anderem dabei hilft. Es geht nicht darum einen Bedarf zu schaffen, sondern Bedürfnisse im Kreis der Nachbarschaft abzudecken. Mit der Mitgliedschaft in einem Talente-Tauschkreis bekundet man seinen Willen zur Veränderung.

Konsumverhalten einer nachhaltigen Gesellschaft:
• Konsum einschränken
• Regionaler, ökologischer und fairer Konsum
• Alles Mögliche wieder verwenden
• Alles Mögliche reparieren
• Alles Mögliche wieder verwerten (in den Kreislauf rückführen)

Eine Teilnahme am Talente-Tauschkreis ist unkompliziert, fördert die Nachbarschaftshilfe und bringt viele neu Freunde. Talente hat jeder, auch wenn es nur darum geht, dem Nachbarn den Briefkasten zu entleeren, während dieser auf Urlaub ist, oder Leergut ins Altstoffsammelzentrum mit zu nehmen. Der Talente-Tauschkreis „Der Krems-Taler“ versteht sich als „Die Gelben Seiten“ der Menschen des oberösterreichischen Kremstales.

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Der Fehler im System – Aus Michael Kents Depesche 35/2006

Der Fehler im System
Text: Larry Hannigan, Australien, 1971 (!) Originaltitel: „I Want the Earth Plus 5 %”
(„Gib mir die Welt plus 5 Prozent”), Übersetzung und Redaktion: Michael Kent

Die Geschichte von Fabian, dem Goldschmied:
»Gib mir die Welt plus 5 Prozent!«
Das unentdeckte Geheimnis des Banken- und Geldsystems – warum überall Geld fehlt!

Vorwort

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser, der nachfolgende Text erzählt die Geschichte des Geldes und des Bankensystems und erhellt ganz nebenbei mehrere gut gehütete Geheimnisse.

Wir laden Sie herzlich ein, diesen Text breitflächig zu verteilen. Mindestens eine Million Menschen im deutschsprachigen Raum sollen in Kenntnis dieses Artikels kommen. Ziel-setzung dieser Aktion ist, einen Bewusstseinsschub in der Bevölkerung in Gang zu setzen, der nicht nur unsere gegenwärtige Zinswirtschaft als Kontrollinstrument weniger „Auserwählter” erkennbar werden lässt, sondern die Weichen für ein menschenfreundliches, gerechtes Geld-system stellen soll.

Da die meisten Menschen unser gegenwärtiges System einfach als gegeben akzeptieren und bestenfalls versuchen, für sich selbst das Meiste an Profit herauszuholen, bedarf es auch in diesem Bereich dringend eines Umdenkens.

Die Wurzel der Zinswirtschaft ist unserer Ansicht nach nicht in einem System zu finden, son-dern in der menschlichen Schwäche der Gier, welche nicht nur die Top-Banker dieser Welt betrifft, sondern bedauerlicherweise auch breite Bevölkerungsschichten. Daher ist die Arbeit jedes Einzelnen an dieser Wurzel unumgänglich.

Eine immer häufiger praktizierte Alternative zum globalen Geldsystem stellen die zahlreicher werdenden Regionalwährungen dar (mehr dazu siehe Links am Ende des Textes). Darüber hinaus werden Menschlichkeit, Mut, Tatkraft, die Wendung zu ökologischen Wirtschaftswei-sen und politisch-gesellschaftliches Engagement vieler Einzelner den Schlüssel zur Gesun-dung unseres Systems darstellen. Wir sind überzeugt, dass auch Sie mehr als nur einen wert-vollen Beitrag dazu leisten können.

Ich wünsche Ihnen angenehme Lektüre und aufschlussreiche Entdeckungen.
Michael Kent

PS Wenn Sie nach Lektüre der Geschichte wünschen, dass andere ihren Inhalt ebenfalls kennen sollten, dann senden Sie diesen Text bitte an Ihren E-Mail-Verteiler und teilen die versendete Anzahl an redaktion@kent-depesche.com mit. Wir zählen alle Versendungen und geben den aktuellen Stand jeweils in unserer Depesche bekannt (www.kent-depesche.com). Der Text steht auch auf unserer Webseite zur kostenlosen Verfügung (auch als PDF-Version). Eine Druckversionen (12 Seiten) dieses Artikels erhalten Sie für nur 20 Cent pro Stück (im Format DIN A4) bzw. 10 Cent pro Stück (DIN A5) beim Sabine Hinz Verlag.

Tauschhandel

Fabian war innerlich erregt, als er seine Rede übte, die er am kommenden Tag vor einer gro-ßen Menschenmenge halten würde. Schon immer hatte er nach Macht und Prestige gestrebt. Nun würde sein Traum bald wahr werden.

Fabian war Handwerker, der mit Gold und Silber arbeitete, Schmuck und Verzierungen her-stellte, doch es gefiel ihm nicht, dass er sich seinen Lebensunterhalt mit Arbeit zu verdienen hatte. Er suchte den Reiz des Außergewöhnlichen, die Herausforderung – nun stand sein gro-ßer Plan vor der Verwirklichung.

Seit Generationen war der direkte Warentausch die gängige Art des Handels. Familien lebten davon, sich auf bestimmte Waren zu spezialisieren und den Überschuss mit Waren eines an-deren Händlers auszutauschen.

Der Marktplatz war der laute Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens. Dem Volk gefiel das bunte Treiben, denn es gab immer viel Neues und Interessantes zu hören. In letzter Zeit aller-dings nahmen Umtriebe und Streitigkeiten zu – ein besseres System schien nötig, wenngleich die Menschen immer noch fröhlich waren und die Früchte ihrer Arbeit genossen.

Die Regierungsform war äußerst simpel: In jeder Gemeinde wurde ein Bürgerrat gewählt, dessen Aufgabe es war, Freiheiten und Rechte des Einzelnen zu sichern und zu gewährleisten. Niemand durfte gegen seinen Willen zu irgendetwas gezwungen werden. Das war der einzige Zweck der Regierung. Dennoch war der Bürgermeister manchen Situationen nicht gewach-sen, insbesondere wenn es darum ging, bei Uneinigkeiten auf dem Marktplatz festzulegen, ob beispielsweise ein Messer mit einem oder zwei Körben Mais zu bezahlen sei oder ob einer Kuh mehr Wert beizumessen wäre als einem Leiterwagen. Fabian hatte nun angekündigt, dass er die Lösung für diese Probleme habe.

Münzgeld

Tags darauf erläuterte Fabian vor einer großen Menschenmenge sein neues System, das er „Geld” nannte. Da die Sache recht viel versprechend klang, fragten die Menschen in ihrer Neugierde, wie zu beginnen sei. »Das Gold, aus dem ich Schmuck mache, ist ein erstklassiges und wertvolles Metall, das nicht rostet und lange währt. Also werde ich aus Gold Münzen herstellen und sie Goldtaler nennen«, sagte er und erklärte weiter, dass jeder Taler einen be-stimmten Wert habe und dass „Geld” als Tauschmittel wesentlich praktischer sei als der di-rekte Austausch von Waren. Ein Mitglied des Bürgerrates brachte zur Sprache, dass es nicht allzu schwierig sei, Gold selbst zu schürfen und damit Taler herzustellen. »Das wäre „unlau-ter” und müsste strikt unterbunden werden«, entgegnete Fabian, »nur die vom Bürgerrat zuge-lassenen Münzen sind erlaubt. Zur Sicherheit werden sie mit einem Siegel versehen.« Jedes Gemeindemitglied sollte anfangs dieselbe Anzahl neuer Münzen erhalten.

Das klang fair, allerdings unterbrach der Kerzenmacher: »Das Anrecht auf die meisten Taler habe ich, da jeder Bürger meine Kerzen braucht.« – »Auf keinen Fall«, schrie einer der Bau-ern, »ohne mein Gemüse würden wir alle hungern! Ich verdiene die meisten Taler!« Fabian ließ sie eine Weile streiten und unterbreitete dann folgenden Vorschlag: »Da ihr euch nicht einigen könnt, schlage ich vor, jedem einzelnen so viele Taler zu leihen wie er will, unter der Voraussetzung, dass diese zurückgezahlt werden. Da ich das Geld zur Verfügung stelle, habe ich ein Recht auf eine Vergütung: für 100 Taler erhalte ich am Ende eines Jahres 105 zurück.

Diese 5 Taler nenne ich „Zins”, sie sind mein Verdienst.« Dies klang akzeptabel – und 5 % hörten sich geringfügig genug an.

Fabian verlor keine Zeit und verbrachte die nächsten Tage und Nächte mit der Herstellung von Münzen. In der folgenden Woche standen die Leute vor seinem Geschäft Schlange – und nachdem der Bürgerrat die Münzen inspiziert und genehmigt hatte, liehen sich die ersten Bür-ger ihre ersten Taler; anfangs nur ein paar wenige, um das ungewohnte System auszuprobie-ren, dann immer mehr.

Das neue Konzept „Geld” funktionierte erstklassig und bald wurde alles mit Goldmünzen bzw. Talern bewertet. Der auf den Waren angebrachte Wert wurde „Preis” genannt und an¬hand des Aufwandes und der Zeit festgelegt, die in Form von Arbeit geleistet wurde.

Wettbewerb

In einer der Städte des Landes lebte Alban als einziger Uhrmacher. Seine Kundschaft war be-reit, einen hohen Preis für seine Uhren zu bezahlen. Dann öffnete ein neuer Uhrmacher einen Laden und Alban war gezwungen, seine Preise zu senken, um nicht alle seine Kunden an die billigere Konkurrenz zu verlieren.

Dieser freie Wettbewerb im ursprünglichen Sinne erfasste bald sämtliche Branchen. Weil alle möglichst viel Geld einnehmen wollten, wurde viel gearbeitet und produziert, der Lebens-standard stieg und schließlich wunderte sich ein jeder, wie ein Leben vor dem „Geld” über-haupt möglich gewesen war.

Schulden

Zum Jahresende suchte Fabian all diejenigen auf, die Geld von ihm geliehen hatten. Manche besaßen mehr, als sie aufgenommen hatten, was zugleich bedeutete, dass andere weniger ha-ben mussten, da ja nur eine bestimmte Menge in Umlauf war.

Diejenigen, die mehr in Besitz hatten, zahlten die hundert Taler plus fünf Taler Zins zurück, mussten aber oftmals neues Geld leihen, um weiter im Geschäft bleiben zu können. Die ande-ren jedoch merkten zum ersten Mal, dass sie Schulden hatten. Fabian gewährte ihnen darauf-hin eine Ratenzahlung und nahm Teile ihrer Besitztümer als Sicherheit. Sogleich suchte jeder nach den fehlenden Talern – doch diese waren sehr schwer aufzutreiben.

Eine Rechnung, die nie aufgehen kann

Keinem wurde gewahr, dass die ganze Nation niemals wieder unverschuldet sein konnte, denn selbst, wenn jeder einzelne aller ursprünglich hergestellten und herausgegebenen Taler am Jahresende zurückgezahlt worden wäre, fehlten pro verliehenen 100 Talern immer noch jene fünf Taler „Zins”. Nur Fabian wusste, dass es unmöglich war, den Zins jemals in seiner Gesamtheit zu erhalten bzw. dass die Rechnung niemals aufgehen konnte, da dieses Extra-Gold ja nie in der Realität existiert hatte, es niemals in Umlauf gegeben worden war und nie-mand sonst extra Münzen hatte herstellen dürfen. Es können keine 105.000 einzelne Münzen zurückbezahlt werden, wenn insgesamt nur 100.000 hergestellt worden sind. Alle „fünf Ta-ler”, die Fabian zum Jahresende Zins bezahlt wurden, mussten also einem anderen Dorfbe-wohner fehlen.

Bank-Noten

In seinem Atelier hatte Fabian einen großen Tresor. Manche Kunden fanden es praktisch und bequem, ihm ihre Münzen gegen eine geringe Gebühr anzuvertrauen. Hierfür erhielten sie von Fabian eine Quittung.

Bei größeren Einkäufen war es mühsam, viele Münzen mit sich herumzuschleppen und so bürgerte es sich im Laufe der Zeit ein, anstelle von Münzen mit einer oder mehreren von Fa-bians Quittungen zu bezahlen, die dem Wert der gekauften Ware entsprachen. Die Ladenbe-sitzer akzeptieren die Quittungen als echtes Zahlungsmittel, da sie dieselben ja zu Fabian bringen und dafür wieder Goldmünzen erhalten konnten. Die Quittungen wanderten schnell von Hand zu Hand, ohne dass das Gold selbst bewegt werden musste. So kam es, dass Fabi-ans Quittungen bald als ebenso „echt” und wertvoll angesehen wurden wie die Goldmünzen selbst.

Es dauerte nicht lange und Fabian stellte fest, dass es ziemlich unwahrscheinlich war, dass auch nur einer seiner Kunden plötzlich alle seine Münzen zurückfordern würde. Also dachte er sich: „Warum mehr Münzen herstellen, wenn sie doch gar nicht gebraucht werden?”, und so fing er an, die bereits vorhandenen, bei ihm deponierten Münzen herzuleihen – anfangs mit großer Vorsicht, nach und nach aber mit wachsender Selbstverständlichkeit.

Er sagte sich: „In der Tat ist es nicht mein Eigentum, sondern nur das treuhänderisch bei mir deponierte Kundengold, aber es ist nun mal in meinem Besitz – und darauf kommt es an.”

Geldschöpfung aus dem Nichts

Eines Tages erhielt Fabian eine große Kreditanfrage. Er schlug dem Kunden vor: „Warum eröffnen wir nicht ein Depot in Ihrem Namen, anstatt die gesamten Münzen zu Ihnen zu transportieren? Ich stelle Ihnen einfach eine entsprechende Menge Quittungen aus!” Der Kre-ditsteller war einverstanden und marschierte mit einem Haufen Quittungen davon. Er hatte ein stattliches Darlehen erhalten und dennoch war alles Gold in Fabians Tresor verblieben! Nach-dem der Kunde fort war, hatte Fabian ein Lächeln auf den Lippen, denn es war ihm gelungen „einen Kuchen sowohl zu behalten als auch zu essen”. Er konnte also Gold verleihen und es dennoch in seinem Besitz behalten.

Freunde, Bekannte und Fremde, ja selbst Feinde brauchten Geld für ihre Geschäfte – und so-lange sie Sicherheiten vorweisen konnten, war dem Geldverleih keine Grenze gesetzt. Fabian war in der Lage, ein Mehrfaches des in seinem Tresor gelagerten Geldes – dessen Eigentümer er noch nicht einmal war – zu verleihen, indem er schlicht und einfach Quittungen ausstellte und alles war in Butter, solange der wahre Eigentümer nicht sein Gold zurückverlangte, das Vertrauen der Leute aufrecht erhalten wurde und er genauestens Buch darüber führte! Der Geldverleih war in der Tat ein lukratives Geschäft.

Geheimbund

Fabians sozialer Status stieg so schnell wie sein Wohlstand. Sein Wort und seine Ansichten in Finanzangelegenheiten erlangten geradezu prophetische Natur. Goldschmiede aus anderen Teilen des Landes waren interessiert an seinem Erfolg, und Fabian berief ein Treffen der Goldschmiede ein, das bereits unter Geheimhaltung stattzufinden hatte. Schließlich durfte der Schwindel nicht an die Öffentlichkeit gelangen, wenn die Sache weiterhin funktionieren soll-te. Nach etlichem Abwägen wurde eine Logenbruderschaft gegründet und die Mitglieder auf absolutes Stillschweigen vereidigt. Sie nannten sich die „Erleuchteten” – und die neu „er-leuchteten” Goldschmiede begannen nun in allen Teilen des Landes nach Fabians Anweisun-gen Geld zu verleihen.

Schecks, Überweisungen

Mittlerweile wurden Fabians Quittungen genauso akzeptiert wie seine Goldtaler und genauso in seinem Tresor unter Verschluss gehalten. Wenn ein Händler einem anderen einen bestimm-ten Betrag bezahlen wollte, verfasste er einfach eine kurze Notiz an Fabian, der sodann die Zahlen vom Konto des einen auf das Konto des anderen Händlers übertrug. Auch dieses neue System wurde sehr populär. Durch diese „Überweisungen” oder „Schecks” entstand unbe-merkt wiederum eine ganz neue Form von Geld – Geld, das nur in Fabians Büchern existierte – seine Bücher repräsentierten somit die ersten Girokonten.

Staatliche Banknoten

Spät in der Nacht offenbarte Fabian seinen Goldschmieden im Rahmen eines weiteren Ge-heimtreffens einen neuen Plan, der kurz darauf den Bürgermeistern und Regierungsbeamten unterbreitet wurde: Fabian täuschte alarmplanmäßig vor, dass viele gefälschte Schecks aufge-taucht seien. Bestürzt baten die Beamten um seinen Rat. »Mein Vorschlag ist, dass die Regie-rung künftig Quittungen druckt, die schwer zu fälschen sind und „Banknoten” genannt wer-den. Wir Goldschmiede tragen hierfür gerne die Kosten, uns erspart dies schließlich die Zeit für das Ausfüllen der Quittungen.«

Dies schien einleuchtend und die Beamten stimmten ohne Einwand zu, da sie ihre Aufgabe im Schutz der Bürger vor Betrügern sahen. Außerdem, so Fabian, würden manche aus Gold heimlich Taler herstellen und folglich sollte jeder, der nach Gold schürft, mit verstärkter Ü-berwachung verpflichtet werden, dasselbe bei den Behörden abzugeben, wobei selbstver-ständlich die dem Wert entsprechende Vergütung in Form von Münzen und Banknoten dafür ausgehändigt würde. Auch dieser Vorschlag wurde angenommen und die Regierung druckte die neuen Bankquittungen. Auf jeder Banknote war ein bestimmter Wert aufgedruckt: 1 Taler, 2 Taler, 5 Taler, 10 Taler. Die geringfügigem Druckkosten wurden von den Goldschmieden übernommen. Da diese Scheine wesentlich handlicher zu transportieren waren, wurden sie von der Bevölkerung rasch angenommen. Trotz ihrer Handlichkeit wurden die Banknoten aber nur für rund 10 % aller Transaktionen verwendet. Fabians Aufzeichnungen zeigten, dass 90 % aller Transaktionen durch Überweisungen und Schecks abgewickelt wurden. So war die Zeit gekommen, die nächste Stufe von Fabians Plan umzusetzen.

Spareinlagen

Um das Geld in seinem Tresor zu bewachen und zu verwalten, hatte Fabian ursprünglich ein kleines Entgelt verlangt. Der nächste Schritt im Plan des „erleuchteten Mannes” bestand nun darin, die sich im Umlauf befindlichen Banknoten als Anlage in seinen Tresor zu locken.

Daher überarbeitete er seine Forderung und bot nun seinerseits einen fixen Zinssatz von 3 % für „Spareinlagen” an. Die Kunden waren natürlich sehr erfreut, dass sie anstelle einer Gebühr nun sogar einen Bonus erhielten und akzeptierten dafür auch, dass Fabian das Geld weiterver-lieh, wobei er seine gewöhnlichen 5 % Zinsen verlangte, was letztendlich nur 2 % Profit zu sein schienen.

Das von Fabian verwaltete Vermögen wuchs naturgemäß weiter an – und wieder verlieh er wesentlich höhere Summen, als tatsächlich in Form von Banknoten im Tresor lagen. Er war bald in der Lage, für jede 100 Taler in seinem Tresor 200, 300, 400, 800 oder sogar 900 Taler zu verleihen, indem er einfach einen Scheck ausstellte, wobei er peinlichst darauf bedacht war, das neun-zu-eins-Verhältnis nicht zu überschreiten, denn durchschnittlich wollte einer von zehn Kunden sein Geld in Form von Goldmünzen oder Banknoten ausbezahlt bekommen (was dem Verhältnis von 10 % Bargeld und 90 % bargeldlosem Zahlungsverkehr entspricht). Stünden keine ausreichenden flüssige Mittel in Fabians Tresor mehr zur Verfügung, würden die Leute natürlich sofort Verdacht schöpfen und ihr Vertrauen verlieren.

Die Sparbuchidee stellte sich unerwartet lukrativ dar, da Fabian so bis zu 900 Taler Buchver-mögen aus 100 Talern realer Einlage ableiten konnte, wobei die daraus erwirtschafteten 45 Taler (= 5 % Zins aus 900 Talern) somit weit, weit mehr waren, als lediglich 2 %, wie allge-mein angenommen wurde. Die anderen Goldschmiede folgten mit großer Freude diesem Plan. Sie erschufen Geld einfach aus dem nichts – nur mit Hilfe eines Füllfederhalters – und ver-langten obendrein noch Zins dafür.

Natürlich, sie prägten das Geld nicht selbst, sondern ließen die Regierung Noten drucken bzw. Münzen prägen, die dann von den Goldschmieden unter die Leute gebracht wurden. Fabian trug lediglich die Druckkosten. Dennoch erschufen sie Geld aus dem Nichts und verlangten darauf auch noch Zinsen. Die meisten Menschen glaubten, die Versorgung mit Geld sei Sache der Regierung. Sie glaubten ja auch, Fabian würde nur jenes Geld verleihen, das andere als Spareinlage bei ihm deponiert hatten. Hätten alle Anleger ihre Gelder auf einmal zurückgezo-gen, wäre der Schwindel aufgeflogen.

Wenn viele Darlehen in Banknoten oder Münzen ausgezahlt werden mussten, stellte dies kein Problem dar. Fabian erklärte der Regierung einfach, dass das Bevölkerungswachstum oder eine allgemeine Zunahme der Produktion zusätzliche Geldmittel erforderte – die er dann für eine geringe Druckgebühr erhielt.

„Wirtschaftswissenschaft”

Der Tag kam, an dem ein Geschäftsmann und schlauer Denker das System genauer unter die Lupe nahm und Fabian mit folgender Überlegung konfrontierte: »Für 100 Taler werden 105 Taler als Rückzahlung verlangt; da diese fünf fehlenden Taler nicht existieren, kann die Rechnung niemals aufgehen.

Bauern stellen Lebensmittel her, Arbeiter produzieren Waren, du aber bist der Einzige, der Geld produziert. Angenommen, es gäbe nur einen einzigen Geschäftsmann im Land, der die gesamte Wirtschaft kontrolliert, und dieser würde 90 % allen Umlaufgeldes in Form von Ausgaben und Löhnen wieder auszahlen und die restlichen 10 % als Gewinn verzeichnen, dann würde dem Unternehmer von den ursprünglichen 100 % Gesamtkapital nach wie vor der Zinsanteil fehlen – er könnte ihn nur bezahlen, indem er neues Geld ausliehe. Das System kann daher nur funktionieren, wenn Du 105 Taler ausgibst – 100 an den jeweiligen Empfän-ger plus 5 an Dich selbst, die Du dann ebenfalls in den Wirtschaftskreislauf einbringst. Nur so wären dann 105 Taler im Umlauf und nur so könnten dann alle Schulden überhaupt beglichen werden.«

Fabian hörte scheinbar aufmerksam zu und wusste zugeknöpft zu erwidern: »Wirtschafts- und Finanzwissenschaften sind wesentlich komplexer, als dass sie derart vereinfacht abgehandelt und dargestellt werden könnten. Ein Verständnis dieser Themen verlangt ausgiebiges und ver-tieftes Fachwissen. Ich bin aber sehr dankbar für die vorgebrachten Bedenken und kümmere mich um die Angelegenheit, kümmere Du Dich um die Deine: Du musst Deine betriebswirt-schaftliche Effizienz steigern, die Produktion ankurbeln, die Ausgaben durch Rationalisierung senken und ein besserer Geschäftsmann werden. Natürlich stelle ich mich gegen entsprechen-des Honorar immer gerne als Fachberater in diesen Dingen zur Verfügung.«

Fabian galt landläufig als der Experte und Einwände waren zwecklos, denn schließlich schien die Wirtschaft zu boomen und das Land einen enormen Aufschwung zu verzeichnen.

Die Falle schnappt zu

Um die jeweils fehlenden „fünf Taler” bezahlen zu können, d.h. die Zinsen bedienen zu kön-nen, waren die Händler nach relativ kurzer Zeit dazu gezwungen, ihre Preise zu erhöhen. Durch die höheren Preise jedoch hatten die Lohn- und Gehaltsempfänger bald das Gefühl, weniger zu verdienen. Die Arbeitgeber ihrerseits weigerten sich, höhere Löhne zu bezahlen, indem sie von der tatsächlichen Gefahr eines drohenden Bankrotts sprachen. Bauern wieder-um konnten nur unzureichende Preise für ihre Produkte erzielen, die Hausfrauen hingegen klagten darüber, dass die zum Leben tatsächlich benötigten Dinge immer teurer wurden.

Die Folge: Teile der Bevölkerung verarmten, teils so schlimm, dass selbst Freunde und Ver-wandte nicht mehr im Stande waren, einander auszuhelfen.

Schließlich kam es zu Streiks, einem bis dahin unbekannten Phänomen. Der ursprüngliche Reichtum und Wohlstand der Natur schien vergessen, all die fruchtbaren Böden, uralten Wäl-der, die Mineralien im Boden, die riesigen Viehherden. Alles drehte sich nur mehr ums Geld, alle dachten nur noch ans Geld – und dieses wiederum schien irgendwie immer knapper zu werden. Niemand hinterfragte das System als solches, glaubten doch alle, es würde von den Volksvertretern verwaltet!

Einige wenige waren in der Lage, ihren Überschuss zusammenzulegen und freie Verleih- und Finanzinstitute zu gründen, die ihren Kunden 6 % Guthabenszins anboten, was Fabians 3 % deutlich übertraf – allerdings konnten diese freien Firmen nur Geld verleihen, das in der Tat deren Eigentum war, ungleich Fabians Methode, Geld per Füllfederhalter zu erschaffen. Diese freien Finanzinstitute irritierten Fabian und seine Kumpane – und so gründeten sie kurzerhand eigene. Die meiste Konkurrenz wurde innerhalb kürzester Zeit aufgekauft, bevor sie über-haupt erblühen konnte, oder anderweitig „unter Kontrolle gebracht”.

Depression & Wohlfahrt

Die gesamtwirtschaftliche Lage verschlechterte sich weiter. Arbeiter meinten, ihre Chefs würden zu viel verdienen, die Arbeitgeber ihrerseits hielten ihre Arbeitskräfte für faul und ineffizient. Jeder begann, seinen Nächsten zu beschuldigen. Auch der Bürgerrat wusste keine Antwort und war vorrangig mit dem akuten Problem beschäftigt, den Armen zu helfen.

Staatliche Wohlfahrt

Sozialprogramme wurden eingerichtet, und per Gesetz wurde jeder Einwohner verpflichtet, Beiträge zu leisten. Dies wiederum erzürnte die Bürgerschaft, die noch die „altmodische Vor-stellung” vertrat, dass sich Nachbarn gegenseitig und freiwillig helfen sollten. »Diese Abga-ben sind nichts weiter als legalisierter Raub« tönte es aus dem Volk, »Abgaben gegen den Willen des Einzelnen, ungeachtet ihres jeweiligen Anlasses, kommen Diebstahl gleich.«

Doch jeder fühlte sich alleine hilflos und fürchtete sich vor der Gefängnisstrafe, die allen an-gedroht wurde, die nicht bezahlen wollten oder konnten. Die Sozialprogramme sorgten zwar für kurzfristige Linderung, führten aber mittelfristig sogar zu einer Verschärfung der Proble-matik, denn auch diese Programme verschlangen immer mehr Geld – Geld, das sowieso schon überall fehlte. Und so kletterten die Sozialabgaben weiter – und mit ihnen auch die Bürokratie des Verwaltungsapparates.

Staatsverschuldung und Beamtenapparat

Die meisten Mitglieder der Regierung waren integere Leute mit guten Absichten. Sie wollten die Bürger nicht mit weiteren Ausgaben belasten, und so sahen Sie schließlich keine andere Möglichkeit, als sich das fehlende Geld bei Fabian und seinen Kumpanen auszuleihen, ohne sich aber im geringsten klar darüber zu sein, wie diese Anleihen jemals zurückgezahlt werden sollten.

Eltern waren nicht mehr in der Lage, die Lehrer für ihre eigenen Kinder zu bezahlen, genauso wenig wie den Hausarzt. Schritt für Schritt war die Regierung gezwungen, diese Funktionen zu übernehmen und zu verwalten. Lehrer, Ärzte und viele andere Berufsgruppen wurden zu Beamten. Nur wenige davon zogen Befriedigung aus ihrer neuen Arbeit, doch sie erhielten anständige Gehälter, verloren aber ihre Eigenständigkeit und Identität. Ein jeder wurde zum Rädchen innerhalb einer riesigen Maschinerie. Es gab keinen Spielraum für persönliche Ini-tiative, berufliche Erfolgserlebnisse wurden ignoriert, Einkommen waren gleichgeschaltet und eine Beförderung stand nur dann an, wenn ein Vorgesetzter in den Ruhestand ging oder ver-starb.

Einkommensteuer

Aus dieser Zwangslage heraus beschlossen die Regierenden wieder einmal, Fabian zu konsul-tieren, da dieser perfekt vorgaukelte, in Geldangelegenheiten der richtige Berater zu sein. Er hörte zu, wie sie ihre Probleme vortrugen und antwortete: »Viele Menschen können ihre Probleme nicht alleine bewältigen. Diese Menschen brauchen Euch, damit Ihr es für sie tut. Sicher stimmt Ihr darin überein, dass die meisten Menschen das Recht haben sollten, ihre Grundbedürfnisse – Nahrung, Obdach, Lebensglück usw. – erfüllt zu bekommen. Eine unse-rer bekanntesten und weisesten Redewendungen besagt doch, dass alle Menschen gleich sei-en, nicht wahr? Nun, die einzige Möglichkeit, um Dinge auszugleichen, besteht darin, den überschüssigen Wohlstand der Reichen abzuschöpfen und ihn den Armen zukommen zu las-sen. Führt also ein Besteuerungssystem ein. Je mehr einer hat, umso mehr bezahle er. Nehmet Steuern von jedem nach seinen Fähigkeiten und gebet jedem nach seinen Bedürfnissen. Schu-len und Krankenhäuser sollten für finanziell Schwächere kostenlos zugänglich sein.«

Nachdem er ihnen eine solche Predigt über hohe Ideale gehalten hatte, endete er mit der Be-merkung: »Nebenbei, denkt daran, dass Ihr mir Geld schuldet! Ihr habt es Euch nun schon recht lange ausgeliehen. Ich kann Euch entgegenkommen, indem ich die Tilgung aussetze, Ihr mir aber zumindest den Zins weiterhin bezahlt.« Dies führte in der Folge dazu, dass immer mehr Schuldbeträge stehen blieben und nur noch Zinszahlungen geleistet wurden.

Niemand hinterfragte Fabians Philosophie, und so wurde eine graduell ansteigende Einkom-menssteuer eingeführt. Je mehr jemand verdiente, desto mehr musste er berappen. Keiner mochte die Einkommensteuer, aber dennoch galt: „Steuern bezahlen oder einsitzen!”

Und abermals waren die Händler dazu gezwungen, die Preise anzuheben. Und abermals ver-langten die Arbeiter höhere Löhne, und viele Arbeitgeber ihrerseits waren dazu gezwungen, Teile ihrer Arbeiterschaft durch Maschinen zu ersetzen – oder aber Bankrott anzumelden.

Die Arbeitslosigkeit – und mit ihr der Werteverfall – stiegen, und die Regierung sah sich dazu gezwungen, weitere Sozialprogramme zu erfinden. Tarifverträge, staatliche Subventionen und andere Schutzmaßnahmen wurden eingesetzt, da immer größere Industriezweige vor dem Zu-sammenbruch bewahrt bzw. Arbeitsplätze erhalten werden mussten. Dennoch übertraf sich die Zahl der Insolvenzen von Monat zu Monat. So mancher begann sich zu fragen, ob der Sinn der Produktion darin lag, Waren herzustellen oder lediglich Arbeitsplätze zu erhalten.

Die Lage verschlechterte sich zunehmend und es wurden die verschiedensten Maßnahmen erprobt, um die eskalierenden Preise unter Kontrolle zu halten. Weitere Formen der Besteue-rung mussten eingeführt werden, und bald gab es annähernd 50 verschiedene Steuern auf ei-nem Laib Brot, angefangen bei der Grundsteuer des Bauern über alle Belastungen des Han-dels bis zur Mehrwertsteuer der einkaufenden Hausfrau.

Dauernde Reformen

„Expertengremien” wurden einberufen, um im Auftrag der Regierung die Lage zu meistern, was in nichts anderem resultierte, als in immer neuen Umstrukturierungen, Reformen und in immer neuen Formen der Besteuerung. Da Fabian ungeschmälert Zins verlangte, musste ein ständig wachsender Teil der Steuern dafür aufgewendet werden, die Zinsen zu bezahlen. Manchmal mussten sogar neue Schulden aufgenommen werden, nur um die Zinsen alter
Kredite damit zu bedienen!

Parteipolitik

Und damit entstand eine völlig neue Form der Politik, nämlich Parteienpolitik – die Leute stritten untereinander darüber, welche Partei die Probleme am besten lösen könnte. Es ging nun plötzlich um unterschiedliche Persönlichkeiten und Ideologien – um alles Mögliche, nur nicht um das eigentliche Problem.

Wanted: Totale Kontrolle

Schließlich passierte es, dass der fällige Zinsbetrag in einer der Städte größer war als die Summe allen erwirtschafteten Einkommens. Im ganzen Land wuchs die Menge des nichtbe-zahlten Zinses. Als Antwort darauf wurde ein Zins auf den unbezahlten Zins erhoben. So ge-schah es, dass Reichtümer, Bodenschätze und andere, auch öffentliche Besitztümer nach und nach unter die Kontrolle Fabians und seiner Kumpane gelangte. Die Kontrolle jedoch war noch nicht vollumfassend. Doch genau das war, was sie anstrebten. Erst wenn sie alles kon-trollierten, würden Sie vollkommen sicher sein.

Das Kriegsgeschäft

Überall fehlte das Geld, viele waren arbeitslos und arm, die Sozialsysteme konnten sich nicht um alle kümmern, so dass das Volk allmählich aufbegehrte. Fabian überzeugte die Regie-rungsvertreter, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: 1. Ein Krieg sei das beste Mittel, um die Menschen im Kampf gegen einen gemeinsamen äußeren Feind wieder zu vereinen sowie 2. um die Regierungsschulden – aus der Ausbeutung des zu erobernden Landes – zu-rückzubezahlen. Um die Kriegsmaschinerie anrollen zu lassen, ließ Fabian Fabriken bauen, gab ihren Besitzern Geld, um Bomben herzustellen, verlieh Geld an das Militär – und gewähr-te schließlich den Opfern hochverzinste Kredite für den umfangreichen Wiederaufbau. Da-nach gab es weitere großzügige Kredite unter dem Titel Wirtschaftsförderung. Dieses System mit all seinen Auswirkungen war so erfolgreich, dass viele Länder der Welt plötzlich nicht nur „Auslandsschulden” (d.h. bei Fabian) hatten, sondern auch in irgendwelche kriegerischen Auseinandersetzungen verwickelt oder daran beteiligt waren.

Fabian sorgte dafür, dass immer ein „Gleichgewicht der Mächte” bestand, so dass jedes Land gegen jedes beliebige andere in den Krieg gepresst werden konnte. Das schien Fabian z.B. immer dann angebracht, wenn ein Land Fabians „Vorschläge” ignorierte, seine Schulden nicht zurückzahlte oder ein neues, von Fabian unabhängiges Geldsystem einführen wollte. Fabian finanzierte immer auch das angegriffene Land, damit der Krieg möglichst lange dauer-te (und auch am Wiederaufbau möglichst viel zu verdienen war) und ließ sich dann „seine Kredite” durch die Ausplünderung der (Boden-) Schätze des eroberten Landes
zurückbezahlen.

Massenmedien

Die Bürger, die noch dazu im Stande waren, selbst zu denken und folglich das System kriti-sierten, konnten zum Schweigen gebracht werden, indem sie entweder finanziell unter Druck gesetzt und/oder bestochen wurden oder – wenn das nichts half – öffentlichem Spott ausge-setzt wurden. Ihre Ideen wurden als unrealistisch abgetan und der öffentlichen Lächerlichkeit preisgegeben. Zu diesem Zweck kauften Fabian und seine Kumpane nach und nach immer mehr Zeitungsverlage sowie Fernseh- und Radiostationen auf, deren Führungskräfte nach strengen Kriterien ausgewählt wurden. Viele Journalisten verfolgten im Grunde eine aufrich-tige Zielsetzung oder wollten gar die Welt verbessern, doch ihnen wurde zu keiner Zeit ge-wahr, wie sie selbst ins Spiel mit einbezogen und darin missbraucht wurden.

Es gab viele verschiedene Zeitungen und Magazine – solche für den linken Flügel, andere für den rechten, dritte für die Mitte. Zeitschriften für die Arbeiter, andere für die Chefs usw. Es spielte dabei keine Rolle, welcher Zeitung jemand anhing, so lange er nicht über das eigentli-che Problem nachdachte oder das System als solches hinterfragte.

Fabians großer Plan stand kurz vor seiner Vollendung. Das ganze Land – und nicht nur das – war bei ihm verschuldet. Durch das Ausbildungssystem und die Massenmedien besaß er die Kontrolle nicht nur über das Denken der Menschen, sondern buchstäblich auch über ihren Verstand. Die Menschen dachten und glaubten, wovon Fabian wollte, dass sie es taten!

Herrscherklasse

Wenn ein einzelner Mann weit, weit mehr besitzt, als er jemals für seine Privatgelüste ausge-ben könnte, nachdem er alle materiellen Anreize ausgekostet hat, was bleibt da noch, das ihn faszinieren könnte?

„Macht” lautet die Antwort, ungezügelte Macht über andere. Die Idealisten hatte Fabian er-folgreich in den Medien und der Politik platziert, doch die wahren Herrschafts- und Kontroll-freaks, die Fabian suchte, fand er in jenen, die „von Natur aus” über ein elitäres Herrscher-klassebewusstsein verfügten: Es waren die reichsten der ehemaligen Goldschmiede, denen ein solch arrogantes Bewusstsein innewohnte. Ihr maßloser Wohlstand befriedigte sie nicht län-ger. Sie waren auf der Suche nach dem „Kick” einer neuen Herausforderung: Uneinge-schränkte Macht über die Massen war das ultimative Spiel! Solchen Herrschaftsanspruch maßte sich die selbsterleuchtete Klasse nun als Recht einer „höheren Geburt” an.

Zentralbanksystem

Landesübergreifend waren zahlreiche Großbanken zu finden und obgleich diese scheinbar miteinander konkurrierten, arbeiteten sie in Wirklichkeit eng zusammen. Mit offizieller Ab-segnung war eine Zentralbank eingerichtet worden, und ihre Einlagen waren Anleihen, die durch reelles Geld gedeckt wurden, das sich in den einzelnen Banken und Sparkassen befand. Dem Anschein nach handelte es sich um eine Regierungsinstitution, wobei in Wahrheit kein einziger Volksvertreter jemals Zugang zu den Kontrollgremien hatte. Mehr noch, diese Art Nationalbank stand außerhalb der Staatsverfassung und somit oberhalb des Präsidenten, wo-durch sie tun und lassen konnte, was sie wollte. Wie leicht hätte jeder Bürger dies feststellen können, war dieser Verrat doch sogar aus den offiziell zugänglichen Unterlagen erkennbar.

Die Regierung ihrerseits musste nun nicht mehr Geld direkt von Fabian aufnehmen, sondern konnte sich an die Zentralbank wenden, wobei als Sicherheit für die Kredite die zukünftigen Steuereinnahmen galten. Dies war in Einklang mit Fabians Plan, der darauf ausgerichtet war, den Verdacht von seiner Person und den wahren Ursachen abzulenken und ihn statt dessen auf die Regierung hinzulenken, während er im Hintergrund selbstverständlich sämtliche Fä-den in der Hand behielt.

Fabians indirekte Kontrolle der Regierungsgeschäfte war derart perfekt, dass ihn dies einmal dazu verführte, öffentlich zu prahlen: „Wenn ich das Geld einer Nation kontrolliere, interes-siert es mich nicht, wer die Gesetze macht!” Und daher lautete seine Devise auch: „Solange ich als Berater in Finanzangelegenheiten herangezogen werde, halte ich mich aus der Gesetz-gebung des Landes heraus.” Es war somit einerlei, welche Partei regierte, da Fabian den Le-bensfluss, das Lebensblut des Volkes, das Geld, unter seiner vollständigen Kontrolle hatte.

Immer wieder gab es Leute, die fragten: „Geld ist ein von Menschen geschaffenes System, es kann doch sicherlich derart angeglichen werden, dass nicht der Mensch dem Gelde dient, son-dern das Geld dem Menschen!?” Doch Leute dieses Schlages wurden immer seltener und sel-tener und ihre Stimmen gingen in dem wahnsinnigen Gewühl nach dem nicht existierenden Zins – den weiter und weiter fehlenden „fünf Talern” – unter.

Die Regierungen und mit ihnen die Parteifarben kamen und gingen – schwarz, rot, gelb, grün – doch die grundlegenden Prinzipien blieben dieselben. Egal, welche Regierung „an der Macht war”, sie rückte Fabians ultimatives Ziel in immer greifbarere Nähe. Die Gesetze der Menschen waren ohne Belang, solange die Menschen bis zum Anschlag besteuert wurden. Ihre Zahlungsfähigkeit war am Ende. Jetzt war die Zeit reif für Fabians letzten, großen Schachzug!

EC- & Kreditkarten

10 % allen Geldes waren nach wie vor in Form von Münzen und Scheinen im Umlauf, was den einzelnen Individuen immer noch eine gewisse Freiheit und Kontrolle über ihr eigenes Leben einräumte. Dies galt es abzuschaffen, ohne Verdacht zu erwecken. Um also Geldfäl-schung, Diebstahl und Verlust entgegenzuwirken schlug Fabian vor, eine kleine Plastikkarte für jeden auszustellen – mit Name und Photo des Betreffenden sowie einer Identifikations-nummer.

Mit dieser Karte konnte der Normalbürger bequem Einkäufe erledigen, ohne allerdings zu ahnen, dass so nicht nur sein Guthabens- bzw. Schuldenstand über einen Zentralcomputer abgerufen werden, sondern auch ein Profil über ihn erstellt werden konnte: über die Art seiner Einkäufe, darüber, wann er sich wo aufhielt, welche Bücher er las und überhaupt, welche Vorlieben er hatte. Für den Kunden wurde die Kreditkarte zusätzlich attraktiv gemacht, indem bei der Rückzahlung am Monatsende keinerlei Zins für ihn anfiel. Die Geschäftsleute hinge-gen hatten wesentlich höhere Ausgaben, die wiederum auf den Preis der Endprodukte aufge-schlagen und somit an den Kunden weitergegeben werden mussten.

Fabian und seine Kumpane erfreuten sich eines immer hervorragenderen Rufes und höchsten gesellschaftlichen Ranges, ja, sie wurden regelrecht als Säulen der Verantwortung und Ehren-haftigkeit angesehen. Politiker und Wirtschaftsexperten akzeptierten ihre Meinung in Finanz- und Wirtschaftsfragen, als seien es religiöse Glaubenssätze.

Unter der Last immer neuer Steuern, Abgaben, Gesetze und Bestimmungen verschwanden „kleine, nutzlose Unternehmen” bald reihenweise durch Bankrott. Spezielle Lizenzen und Gewerbescheine wurden sodann verlangt, die es den verbleibenden Firmen abermals schwerer machten, weiter zu existieren. Fabians Kumpane kontrollierten längst alle Großunternehmen und somit deren Zulieferer, denn ihrem umsatzorientierten Druck hatte sich schlussendlich selbst der letzte unabhängige Kleinunternehmer, Schlosser, Elektriker und Bäcker zu fügen.

Fabian plädierte sodann für eine komplette Abschaffung von Münzen und Papiergeld, um völ-lig den Weg für seine Plastikkarte zu ebnen. Ohne Banknoten wären schließlich nur noch die-jenigen Firmen geschäftsfähig, die Kartenzahlung akzeptieren. Fabian alleine könnte sodann kontrollieren, wer im Geschäft bliebe und wer nicht.

Im Falle des Verlustes der Kreditkarte, so Fabians weiterer Plan, sollte jedem Bürger seine Identifikationsnummer in die Hand tätowiert werden, die unter einem speziellen Licht gelesen und an einen Computer weitergeleitet werden konnte. Dieser wiederum wäre an einen Zent-ralcomputer gekoppelt, in dem ausnahmslos alle Daten jedes Individuums gespeichert und über Ortungssatelliten angepeilt werden konnten. So wüsste Fabian alles über jeden.

Sobald dies erreicht wäre, besäße er die ultimative, totale Kontrolle über alle Menschen des Landes – und bald darauf über alle Menschen der Erde.

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Ein paar „Fabians” im realen Leben:
http://www.bornpower.de/r-index.htm
http://www.bornpower.de/rockefel/ro-index.htm

Alternativ-/Regionalwährungen:
http://www.regionetzwerk.de
http://www.tauschring.de
http://www.regionalgeldportal.de

Geldsystemreform:
http://www.geldreform.de
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http://www.freigeld.de

Ethische Anlagen:
http://www.gls-bank.de
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http://www.umweltbank.de

Depeschen zum Thema
Doppeldepesche 26+27/2004: Wie funktionieren Regionalwährungen:
http://www.kent-depesche.com/jahrgang2004/2004_27.html
Zinssystem und Weltwirtschaftskrise
http://www.kent-depesche.com/jahrgang2002/2002_27.html
Themenhefter GELD (Artikelsammlung)
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