Wir zahlen eure Schulden NICHT

Demonstration in Wien gegen den G8 Gipfel. Es wurde von öffentlicher Seite mit 2.000 Demonstranten gerechnet, so dürfte für jeden Teilnehmer ein Polizist abgestellt worden sein. Jedoch nahmen mindestens 18.000 Menschen aus ganz Österreich, Tschechien, Slovakei, Ungarn und einigen anderen Nachbarländern teil. Ein buntes Straßenbild prägte die Innenstadt von Wien. Gestartet wurde um ca. 14 Uhr am Wiener Westbahnhof, über die Mariahilfer Straße zum Parlament. Ein klares Zeichen, Österreich ist in Bewegung!

21. April 09 / Neue Werte für die Wirtschaft -Alternativen zum Casino-Kapitalismus / Neuhofen an der Krems

Am Dienstag den 21. April, wird Christian Felber um 19 Uhr im Schloss Gschwendt in Neuhofen zum Thema Neue Werte für die Wirtschaft -Alternativen zum Casino-Kapitalismus referieren, im Anschluss wird er für eine Diskussion zur Verfügung stehen. Christian Felber ist Mitbegründer von attac Österreich

Veranstalter: Die GRÜNEN Neuhofen in Kooperation mit dem Talentetauschkreis Neuhofen

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„Der Krems-Taler“ am 4. Österreichischen Sozialforum in St. Peter in der Au

Das 4. Österreichische Sozialforum war geprägt von der derzeitigen Finanzkrise, zahlreiche Vorträge und Workshops mit Referenten wie Tobias Plettenbacher von Timesozial, Veronika Spielbichler vom Unterguggenberger-Institut, oder Georg Pleger von der Tiroler Stunde fanden großes Interesse. Natürlich war auch Frithjof Bergmann mit seinem Modell für neue Arbeit ein großer Publikumsmagnet. Unter der Fülle an Vorträgen prästentierten Dr. DI Herbert Staufer und Bernhard Gruber die Möglichkeiten und Ziele des Neuhofner Talente-Tauschkreises „Der Krems-Taler“. Großes Interesse zeigten die Zuhörer auch für die Ausführungen über „Permakultur – Weg in eine dauerhafte, ökologische und soziale Zukunft“

, im Referat von Bernhard Gruber.

Die aktuelle Finanzkrise zeigt den dringenden politischen Handlungsbedarf, Änderungen am Finanzsystem durchzuführen. Anstatt reiner Symptombekämpfung ist die Unterstützung neuer Geldsysteme auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene als Ergänzung zum bestehenden System, das auf rücksichtslose Gewinnmaximierung, Ausbeutung von Mensch und Natur und auf zerstörerischem Wachstumszwang beruht, gefordert. Neue Geldformen sollten wertstabil, demokratisch und gemeinschaftsbildend sein und eine nachhaltige und solidarische Wirtschaftsweise fördern” – so lautet die Zusammenfassung einer Petition an Österreichs politische Entscheidungsträger, welche die Initiative Neues Geld beim Österreichischen Sozialforum von 24. bis 26. Oktober 2008 erstmals öffentlich vorstellte und dafür große Unterstützung fand.

Der Talente-Tauschkreis „Der Krems-Taler“ besteht nun schon über drei Jahre hier in der Gemeinde Neuhofen, Teilnehmer finden sich aus Nachbargemeinden wie Eggendorf, Allhaming, Traun, Piberbach und Kematen ein. Viele neue Talente haben sich gefunden und unser Tauschkreis, auch bekannt durch einen Beitrag im ORF, wurde Vorbild für die Gründung weiterer Tauschkreise. Es ist aber nicht die Zeit sich auf Lorbeeren auszuruhen, gerade in Zeiten wie diesen ist es wichtig, wieder ein wenig zusammen zu rücken. T

Die Teilnehmer und Interessierte des Talente-Tauschkreises „Der Krems-Taler“ treffen sich grundsätzlich am 2. Freitag jeden Monat im Café Kemetmüller am Marktplatz in Neuhofen. Infos zum Tauschkreis findet man im Internet unter http://www.krems-taler.at.tf/ , gerne informieren sie auch Herbert Staufer 07227 / 20005 oder Bernhard Gruber 07227 / 20079

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Rückzugsgefechte einer jungen Zivilisation

Angesichts der Ölpreissprünge werden die Überlegungen über eine W elt ohne Öl immer konkreter

Es ist Sommer, die Mücken tanzen zwischen den Bäumen, zwei Freunde kommen vom Fischen, sie lassen sich Zeit. Der eine war einmal ein erfolgreicher Werbefachmann. Das ist lange her. Jetzt hat er Zeit. Viel Zeit. Der andere ist Priester. Die sind gefragt, nach all den Toten. Sie gehen zu Fuß. Dies ist die Zukunft. Mitten im Naturidyll Amerikas. Doch nichts ist, wie es zunächst scheint, in dieser neuen Welt irgendwann um das Jahr 2030. Autos gibt es nicht mehr, weil es kein Benzin mehr gibt. Telekommunikation, Internet, Stromversorgung sind zusammengebrochen. Die Highways, auf denen keiner mehr fährt, verfallen, keiner kümmert sich darum, mit was auch. Und es ist heiß, viel zu heiß. Der Asphalt zerreißt, die leeren Häuser verfallen, die Natur erobert den Planeten zurück.

Eine große Zahl der Menschheit wurde dezimiert durch Seuchen, gegen die es keine Medikamente mehr gibt, genau weiß man es im Dorf nicht, der Kontakt zur Außenwelt ist spärlich. Kinder sieht man selten, sie hat es am schlimmsten getroffen in den großen Grippewellen. Von einem Heiligen Krieg haben manche noch gehört in den seltenen Radiosendungen, irgendwo im Nahen Osten, ehe die Bomben über Washington und Los Angeles explodierten. Spätestens dann muss alles zusammengebrochen sein, irgendwo soll zwar noch die Ruine einer Bundesregierung existieren, doch eigentlich ist längst jedes Dorf, jeder Hof auf sich gestellt. Egomanen herrschen in isolierten Städten, ehemalige Kleinkriminelle plündern die Luxusvillen in den verlassenen Suburbs und verkaufen die Rohstoffrelikte aus der Alten Zeit: Plastik ist begehrt, weil man es nicht mehr herstellen kann. Schläuche. Eimer. Die Welt ist archaisch geworden. Und ziemlich konservativ.

Grundlage der Weltwirtschaft

In dem Roman „World Made by Hand“ ist die Zivilisation auf dem Rückzug, und die Menschen akzeptieren diesen Niedergang mit einer Mischung aus Apathie und Pragmatismus. Hier herrscht noch keine völlige Anarchie wie in den „Mad Max“- und „Waterworld“-Phantasien des Kinos, in denen viel und laut gekämpft wird. Nein, Glück besteht aus harter Arbeit, Heustadeltänzen und Dorfversammlungen. Nicht von ungefähr mutet der Roman an wie ein Lobgesang auf die Zeit von „Unsere kleine Farm“ – er wurde von einem Amerikaner verfasst, der schon lange Amerikas Lebensstil geißelt: James Howard Kunstler. Er hat sich in provozierenden Sachbüchern wie „Home from Nowhere“ als Kritiker der Suburbanisierung hervorgetan und den „New Urbanism“ propagiert, der den Autostädten eine neotraditionelle Stadtplanung entgegensetzt. In „The Long Emergency“ postulierte er die Grenzen jeglichen Wachstums in der Tradition der berühmten Studie des Club of Rome von 1972.

„World Made by Hand“ beschreibt die Zukunft in einem Amerika, in der die Ära des Erdöls zu Ende gegangen ist. Es ist kein literarisches Meisterwerk, aber eine Art Handbuch für eine Theorie, die sich von Amerika nach Großbritannien und inzwischen auch im kontinentalen Europa verbreitet hat, die Theorie des „Peak Oil“. Dabei geht es um den ominösen Zeitpunkt, an dem die Ölförderung nicht mehr erhöht werden kann, die Nachfrage aber weiter steigt. Sobald die Ölförderung diesen Scheitelpunkt erreicht hat, glauben die Anhänger der Theorie, wird es vorbei sein mit dem billigen Öl. Es wird ständig teurer und knapper, Verteilungskämpfe werden einsetzen, Industrien verschwinden, schließlich die internationale Ordnung. Denn unsere Industriegesellschaften und unsere Finanzmärkte basieren auf der Annahme des ständigen Wachstums, der immer mehr von billigen fossilen Brennstoffen abhängt. Öl ist der wichtigste davon.

Die Ölproduktion stagniert seit 2005 bei etwa 85 Millionen Barrels pro Tag, dafür steigt aber der Preis. Am letzten Freitag machte er seinen bisher größten Sprung nach oben – um 11 Dollar auf 138 Dollar pro Barrel. Bis auf 200 Dollar oder mehr, schätzen Analysten von Goldman Sachs, könnte der Preis für ein Barrel Rohöl klettern. 40 Prozent des Öls, heißt es im Petroleum Review, „kommt aus Regionen, in denen die Produktion ganz eindeutig abnimmt.“ Peak-Oil-Theoretiker sehen darin ein Zeichen für den Beginn des Niedergangs. Und zunehmend nicht nur sie. Vor wenigen Jahren glaubten noch viele, Peak Oil werde erst zwischen 2015 und 2030 eintreten. Immer mehr Analysten schwenken nun um. 2010 ist das nun am häufigsten genannte Datum. Manche sagen, Peak Oil sei jetzt.

Die Tatsache, dass dieser Scheitelpunkt irgendwann eintreffen wird, stellt kaum einer mehr in Frage, auch wenn Politiker und Medien den Ausdruck lieber vermeiden und Vertreter der Theorie gern als irre Apokalyptiker abtun. So wie ihren Begründer, den Shell-Geologen Marion King Hubbert. Der hatte in den fünfziger Jahren vorausgesagt, dass die amerikanische Ölproduktion um 1970 herum ihren Scheitelpunkt erreichen würde, um dann unaufhaltsam zu fallen. Das allgemeine Gelächter einer vom Rohöl besoffenen Welt verstummte, als der Scheitelpunkt in den USA 1970 tatsächlich erreicht wurde.

Doch es sind ja nicht nur die Apokalyptiker, die vor den Folgen warnen. Als Dick Cheney noch Vorsitzender des Energiekonzerns Halliburton war, hielt er im Herbst 1999 eine Rede vor dem Institute of Petroleum. Die „Grundlage der Weltwirtschaft“, warnte er, werde bald extrem knapp werden. Die amerikanische Energiebehörde EIA veröffentlichte 2007 einen Report, in dem sie davon ausgeht, dass die Produktion 2006 ihren Höhepunkt erreicht habe. Das Aspen Institute warnte vor dem Ende des „easy oil“. Und gerade erklärte der amerikanische Finanzminister Henry M. Paulson, dass es „keine schnellen Lösungen“ für die hohen Ölpreise gebe, denn es sei ein Problem von Angebot und Nachfrage. „Die Produktionskapazitäten haben keine neuen Entwicklungen gemacht.“

„Die Frage ist jetzt: Wie steil ist der Abhang auf der anderen Seite“, sagt der Energiefachmann Matt Simmons, einst Berater von George W. Bush und Autor von „Twilight in the Desert“. Und wie wird sie aussehen, eine Welt, in der Öl nicht mehr im Überfluss vorhanden ist?

Die Zeit nach dem Peak wird eine Zeit der Kontraktion, glauben die Peakisten. Denn Öl ist nicht nur Brennstoff, es steckt in fast allem, was unsere moderne Welt ausmacht. Es ist der wichtigste Rohstoff für Kunststoffe. Es steckt in Halbleitern und Düngemitteln, in Reifen und im Straßenbelag. Moderne Medizin, Medikamente und Impfstoffe würden ohne Öl nicht existieren, ebenso wie die industrialisierte Landwirtschaft mit ihren gewaltigen Erträgen nicht möglich wäre ohne Maschinen und auf Mineralöl basierenden Düngemitteln und Pestiziden.

Zurück zur Scholle

Ein paar Jahrzehnte nach dem Peak wird es das Auto, das Symbol unseres Zeitalters der Individualität, nur noch für die Superreichen geben. Und auch für die nur eine Zeitlang. Das Leben in den endlosen Vororten Amerikas und zunehmend auch Europas wird nicht mehr möglich sein. Schlafstädte und Suburbs werden aufgegeben, Menschen wieder in die kleineren Städte und in landwirtschaftliche Gebiete ziehen. Die Metropolen werden auf die Zentren schrumpfen und entlang der Wasserwege wachsen. Eisenbahnen müssen ausgebaut werden, denn Fluglinien gehen heute schon bankrott. Der internationale Handel wird zusammenbrechen. Lebensmittel müssen möglichst lokal erzeugt werden – und mit körperlicher Arbeit. Peak Oil wäre das Ende der Globalisierung. Zugleich würden traditionelle Nachbarschaftsstrukturen wiederbelebt.

Ratschläge für die Welt nach dem Peak werden inzwischen von einem bemerkenswerten Sammelsurium aus ernsthaften Fachleuten und fragwürdigen Panikmachern ausgegeben. Da gibt es die „Techno-Fixer“, wie sie Richard Heinberg nennt, ein anderer Vordenker der Peak-Oil-Bewegung. Sie glauben, dass die Welt langfristig erfolgreich mit dem Ölmangel zurechtkommen wird – durch bessere Technologien, alternative Energien und höhere Effizienz. Ihnen wird allerdings gern vorgerechnet, dass eine solche Entwicklung gar nicht so schnell gehen kann, wie das Öl zur Neige geht.

Auf der anderen Seite bieten Apokalyptiker und „Survivalists“, die mit dem Untergang des Planeten schon immer gerechnet haben, ihre Überlebensstrategien nun für das Ende des Ölzeitalters. Denn während man in den achtziger Jahren noch nach Australien auswandern konnte, sollte man heute ihrer Meinung nach nur noch Dinge horten und einen Unterschlupf bauen. „Doomers“ nennt sie Heinberg in Anlehnung an den Tag des Jüngsten Gerichts. Und er beschreibt zugleich selbst lustvoll seine Version der Zukunft: „Extrem umweltschädliche Energiealternativen wie Kohle und Ölsand werden zum Blasebalg des Fegefeuers der Klimaerwärmung. Extremistische politische Bewegungen werden entstehen, und die Welt wird in einem Kampf um die letzten Ressourcen untergehen. Wen die Kriege nicht umbringen, der wird verhungern.“

In England preist der Arzt und Journalist Vernon Coleman gerade in ganzseitigen Anzeigen seine Version der Zukunft an: Die „Oil Apocalypse“, so der Titel, „ist kein Skript für einen Horrorfilm. In einer Generation werden fünf von sechs Menschen auf dem Planeten tot sein.“ Seinen Lesern rät er, sich auf eine völlig andere Welt vorzubereiten, „in der die Reichen Pferde reiten, die Mittelschicht Fahrrad fährt und die Armen zu Fuß gehen. Kaufen Sie kein Haus, für das Sie ein Auto brauchen.“ Auch der Held in Kunstlers „World Made by Hand“ träumt vom einem Pferd. Das ist der Luxus der Zukunft.

In diesen Tagen nun demonstrieren Inder, weil die Regierung die Benzinsubventionen gesenkt hat. Hersteller von Waschmitteln bis Computerbildschirmen warnen vor höheren Preisen. In Europa gehen Fischer auf die Straße, weil der Rohölpreis das Ausfahren inzwischen unrentabel macht. Der Preis für eine Tonne Düngemittel hat sich in den letzten Jahren vervielfacht; Fachzeitschriften für Landwirte informieren ihre Leser darüber, wie sie ihre Betriebe umbauen können – aus der Not geboren, nicht, weil man unbedingt ökologisch arbeiten will. In den USA ziehen die Bürger in die Städte, und die ersten Suburbias verelenden schon zu Slums.

Ideen aus den vierziger Jahren

Der angesehene Ökologe Bill McKibben rät zur „Deep Economy“, zur „Re-Lokalisierung“ der Produktion. Zurück zur Scholle ist ein Lieblingskonzept der Peakisten. So wie „Permakultur“, eine ökologische Antwort auf die erste Ölkrise in den Siebzigern, die auf Grundlage ethischer Leitsätze die Rückkehr zu einer nachhaltigen Landwirtschaft und Energieversorgung propagiert. Zu den neuen Survivalisten zählt inzwischen selbst jemand wie Barton M. Biggs, der frühere Chefstratege des Finanzinstitutes Morgan Stanley. Wie andere hat auch er ein Buch herausgebracht, in dem er vor dem möglichen Kollaps der Zivilisation warnt: „In Ihrem Zufluchtsort müssen Sie Selbstversorger werden und in der Lage sein, etwas Nahrung anzubauen. Sie sollten gut mit Saatgut ausgerüstet sein, mit Dünger, Konserven, Wein, Medikamenten und Kleidung. Stellen Sie sich die Familie Robinson vor.“

Wer ein Beispiel für eine gelungene Umstellung der Nahrungsproduktion für das Post-Öl-Zeitalter sucht, findet sie dann ausgerechnet in Kuba. Die Insel hat vorgeführt, wie man in der Landwirtschaft ohne Petrochemie auskommt. Als nach dem Ende der Sowjetunion die Öllieferungen ausblieben, kollabierte die vom Öl abhängige Landwirtschaft. Es drohte eine Hungerkatastrophe. Heute haben Tausende Ochsengespanne Traktoren ersetzt, an den landwirtschaftlichen Fakultäten forschte man nach Nützlingen und Bakterien, die Dünger und Pestizide ersetzen, überall gibt es Stadtgärten. Inzwischen ist Kuba in der Lage, sich selbst zu versorgen. Ohne Luxus, aber zumindest muss niemand mehr hungern. Deswegen fahren Ökologen aus aller Welt auf die Insel, um das Programm zu studieren.

In Großbritannien erklären sich Städte und Dörfer unterdessen zu sogenannten „transition towns“, Übergangsstädten. Städte wie Bristol versuchen, ihre Wirtschaft, Transportwesen, Energie- und Nahrungsversorgung zu „relokalisieren“. Die Praxis, berichtete ein Reporter des Guardian, sei allerdings weniger spektakulär. Man zeigt sich Filme über Peak Oil und Klimawandel, einige Orte haben eine eigene Währung eingeführt, mit der man lokale Produkte erstehen kann. „Es gibt Workshops für Gemüseanbau, Brotbacken und Sockenstopfen. Nun, sollte das alles ein wenig nach den vierziger Jahren klingen, dann deshalb, weil es so ist.“ Denn viele Ideen stammen aus dem Zweiten Weltkrieg, als in England jahrelang der Treibstoff knapp war.

Nach Untersuchungen der amerikanischen Energiebehörde EIA würde es 20 Jahre dauern, um die Weltwirtschaft so umzubauen, dass ein wirtschaftlicher und sozialer Kollaps verhindert werden kann. Zehn Jahre, so der Bericht, seien schon knapp kalkuliert. Bleibt noch weniger Zeit, sind Revolten, Aufstände, Ressourcenkriege und der Zusammenbruch ganzer Gesellschaften so gut wie sicher.

Vielleicht haben die „Doomers“ ja doch recht. Denn geschehen ist nicht viel, obwohl inzwischen sogar die Leiter großer Ölkonzerne vor dem nahenden Peak warnen. Ein paar Prozent Öl wird durch Biokraftstoff ersetzt, was inzwischen zur Krise in der Nahrungsmittelproduktion beiträgt. Sonne, Wind und Wasserenergie werden gefördert, bringen aber nicht annähernd genug, um Öl ausreichend und schnell genug zu ersetzen. Und das wird noch lange so bleiben. Zu lange, fürchten die Peak-Oil-Anhänger. PETRA STEINBERGER

Quelle: Süddeutsche Zeitung
Nr.132, Montag, den 09. Juni 2008 , Seite 13

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Der Wörgler Versuch mit Schwundgeld

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Karin Kramer Verlag; Berlin; 1989; ISBN 3-87956-165-6
(geschrieben 1933)

Alex von Muralt

DER WÖRGLER VERSUCH MIT SCHWUNDGELD *

„Und meinen Leuten gilt‘s als gutes Gold?
Dem Heer, dem Hofe genügt‘s zu vollem Sold?
So sehr mich‘s wundert, muß ich‘s gelten lassen!“

(Faust 2. Teil)

Die Tiroler Gemeinde Wörgl; die bis dahin ein recht stilles und bescheidenes Dasein führte, macht seit einigen Monaten viel von sich reden, selbst im Ausland, in der Schweiz und vor allem in Amerika, wo der Name Wörgls, wie man mir sagte, bald bekannter sein wird, wie derjenige Spenglers, und wo der Begriff Wörgl ein währungspolitisches Programm umschließt. Diesen Ruhm verdankt Wörgl seinem tüchtigen Bürgermei-
ster Michael Unterguggenberger, einem langjährigen Anhänger der Silvio Gesellschen Freigeldlehre. Im Dezember 1931 war Unterguggenberger durch das Los das Amt des Bürgermeisters zugefallen und er damit in die Lage versetzt, längst gehegte und gut durchdachte währungspolitische Pläne im Rahmen seines kleinen Machtbereiches durchzuführen.
Wörgl ist eine der wenigen Tiroler Gemeinden, die früher zu einem guten Teil von industriellen Betrieben gelebt hat. (Zement- und Zellulose- Fabriken, die heute stillstehen.) Die Zahl der Arbeitslosen der über 4.000 Menschen umfassenden Gemeinde war im Frühjahr 1932 auf etwa 350 (mit Einbeziehung der näheren Umgebung auf 1.500) gestiegen. Die Steuereingänge waren erheblich zurückgegangen, z. B. der Ertragsanteil an Bundessteuern von 63.000 Schilling im Jahre 1928 auf 43.800 Schilling
im Jahre 1932, und der Anteil an den Landessteuern von 47.700 Schilling im Jahre 1928 auf 17.100 Schilling im Jahre 1932. Die Sparkasse der Stadt Innsbruck, welcher die Gemeinde den enormen Betrag von 1.290.000 Schilling schuldet, hatte im Juli 1931 den Zinsfuß von 7 Prozent auf 10 Prozent erhöht, die Gemeindekasse war im Frühjahr 1932 leer, und die Raiffeisenkasse von Wörgl war fast immobil geworden, da fast alle ihre Guthaben, auch solche der Gemeinde, eingefroren waren. Dringende Arbeiten, Straßenverbesserungen usw, duldeten keinen längeren Aufschub. In dieser Notlage entschloss sich der Gemeinderat auf Antrag seines Bürgermeisters zu einem Versuch mit der Ausgabe von Schwundgeld.

Äußere Gestalt und Rechtsgestalt des Schwundgeldes

Die Gemeinde ließ Anfang Juli 1932 im Nennwert von 32.000 Schilling Papiernoten drucken, die Arbeitsscheine genannt werden. Die Noten sind nummeriert, es gibt Scheine zu einem, zu fünf und zu zehn Schilling. Sie erhalten erst Gültigkeit, wenn sie mit einem Kontrollprägestempel des Bürgermeisteramtes versehen sind: Diese Noten entwerten sich pro Monat um den Betrag von 1 Prozent ihres Nennwertes. (Notabgabe) Um diese Entwertung zu verhindern, muss der jeweilige Besitzer des Papierscheines am letzten des Monats eine Marke in der Höhe des Schwundes auf die Note, in ein vorgedrucktes Feld, aufkleben. Diese Marken sind bei der Gemeindekasse käuflich zu erwerben. Der Schwund – die Notabgabe – beträgt also jährlich 12 Prozent, mehr als das Doppelte von dem, was Silvio Gesell seinerzeit vorgeschlagen hat. Zu Ende jedes Jahres müssen die
Scheine gegen neue umgetauscht werden. Der Umtausch erfolgt ohne Abzug, sofern der alte Schein durch die erforderliche Anzahl von Marken voll aufgewertet ist. Die Gemeinde wechselt auch jederzeit die Arbeitsscheine in normale Schillinge um, jedoch gegen einen Abzug von 2 Prozent. (1)

Deckung

Um zu dieser Umwechslung jederzeit befähigt zu sein, um also eine Art Deckung für dieses Notgeld zu schaffen, sind die Treuhänder der Nothilfeaktion (zu ihnen gehört der Ortspfarrer der Gemeinde) dafür besorgt, dass entsprechend der Ausgabe von Schwundgeld, der gleiche Betrag in Noten der Nationalbank auf ein Separatkonto bei der Raiffeisenkasse überwiesen wird. Wie mir vom Direktor dieser Kasse mitgeteilt wurde, ist dieses Geld in der Form von Sichtwechseln an solide Grossisten zum Zinsfuß von 6 Prozent weiterverliehen worden. Diese 6 Prozent fließen in toto der Gemeindekasse zu, da die Ortssparkasse für alle ihre Arbeit keinen Entgelt verlangt, weil es sich um ein Unternehmen gemeinnütziger Art handelt.

Kreislauf

Das Schwundgeld wurde dadurch in Umlauf gebracht, daß die Gemeinde ihren Angestellten und Arbeitern die Gehälter und Löhne, anfangs zu 50 Prozent, später zu 75 Prozent in Notgeld ausbezahlte. Die Empfänger hatten sich mit dieser Zahlungsweise freiwillig einverstanden erklärt. Die erste Ausschüttung im Betrag von 1.800 Schilling erfolgte Mitte Juli 1932, die monatliche Lohnsumme, soweit sie in Schwundgeld bezahlt wurde, stieg später auf gegen 3.000 Schilling. Da die Scheine immer sehr rasch zur Gemeindekasse zurückkehrten, war es nicht nötig, mehr als 12.000 Schilling Notgeld im ganzen auszugeben und dementsprechend brauchte man auch nur 12.000 normale Schillinge der Raiffeisenkasse zu überweisen. Sämtliche Geschäfte in Wörgl nehmen das Notgeld als Zahlungsmittel zum Nennwert entgegen und die Papierscheine kehren in Form von Abgaben und Steuern an die Gemeindekasse zurück. Von den zur Ausgabe gelangten 12.000 Schilling Notgeld sind allerdings schätzungsweise heute nur noch ungefähr 2 Drittel im Umlauf; der Rest ist verschwunden, als Andenken und Sammlungsobjekt von Liebhabern mitgenommen worden. Dass sich solche großen Beträge von Schwundgeld auf diesem Weg verflüchtigen, widerspricht zwar ganz der theoretischen Absicht, die auf beschleunigten Umlauf und nicht auf Hortung ausgeht; dennoch sieht die Gemeinde diesen Schwund nicht ungern, weil er ja natürlich – da diese mitgenommenen Noten nie mehr zur Umwechslung vorgelegt werden, einen Reingewinn für sie darstellt. (Siehe Grafik.)

Ergebnisse

Über die praktischen Ergebnisse des Versuches konnte ich Anfang April dieses Jahres folgendes in Erfahrung bringen:
Das Notgeld wird in Wörgl, wie gesagt, in allen Geschäften gleicher Weise wie gutes Geld angenommen. Die Kaufleute sind allerdings nicht sehr erbaut, daß ihnen ein kleiner Verlust von 1 Prozent am Ende des Monats, wenn sie das Geld nicht weitergeben können, droht, oder von 2 Prozent, wenn sie es umwechseln müssen. Sie nehmen das gewöhnliche Geld lieber, aber die meisten sind doch Anhänger des Experiments, weil sie eine leichte Steigerung der Umsätze – oder einen geringeren Rückgang, als zu erwarten war, festzustellen glauben. Ein Lebensmittelhändler klagte, dass der Engros-Händler, von dem er seine Waren bezieht, sich nur zu 50 Prozent in Schwundgeld zahlen lässt. Dies wurde mir von dem betreffenden Herrn, Kommerzialrat St. , bestätigt, der mir auch erklärte, dass er
Ende des Monats das Notgeld nur unter Abzug von 1 Prozent annehme, da das Engros-Geschäft solche Verluste nicht tragen könne. Obschon das Notgeld für seine Firma keinen nennenswerten Vorteil bringe, ist Kommerzialrat St. ein Anhänger des Systems, das die Gemeinde vor einer Katastrophe gerettet habe, und das man auf einem größeren Wirtschaftsgebiet, z. B. im Land Tirol, durchführen sollte, weil erst dann die Befruchtung
der Wirtschaft durch die erhöhte Umlaufsgeschwindigkeit des Schwundgeldes voll in Erscheinung treten könnte. Ähnlich günstig äußerte sich ein Bürstenladenbesitzer H., Mitglied der Tiroler Gewerbe- und Handelskammer. Auch er ist überzeugt, daß die Übertragung des Versuches auf das ganze Land einen Aufschwung der Wirtschaft bringen würde. Es ist ja auch zu sagen, daß diese Schwundgeldsache es fertig gebracht hat, in dem über und über politisierten Österreich dem Schicksal zu entgehen, ein Politikum zu werden. Alle, das Notgeld betreffenden Beschlüsse wurden im Gemeinderat jeweils einstimmig, mit Unterstützung aller Parteien, beschlossen. Von einer Steigerung der Warenpreise war nichts festzustellen, es sei denn, dass der Milchpreis in einem kleinen Weiler südlich Wörgls um 2
Groschen niedriger angegeben wurde, was vermutlich mit rein lokalen Verhältnissen zusammenhängt. In Innsbruck und Kitzbühel fand ich dieselben Preise für die wichtigsten Lebensmittel. Eine inflationistische Wirkung im Sinn der Preiserhöhung hat nicht stattgefunden. Die eigentliche Gewinnträgerin des Versuches ist die Gemeinde. Als unmittelbare Mehreinnahme aus dem Schwundgeldsystem ist vor allem zu erwähnen der Ertrag der 12prozentigen Notabgabe von dem zirkulierenden Schwundgeld, die allerdings nicht in Gänze eingeht, weil ein beträchtlicher Teil der Scheine jeweils Ende des Monats bei der Gemeinde liegt, so dass diese selbst auch kleben muss, was sie allerdings nichts kostet. Der Monatsertrag aus der Notabgabe beträgt etwa 50 Schilling. Laut Angabe des Direktors der Raiffeisenkasse wurde bis Ende März der Betrag von 34.500 Schilling Notgeld bei der Kasse zur Umwechslung eingereicht, wo- bei sich aus dem Abzug von 2 Prozent ein Gewinn von 690 Schilling ergibt. (In neun Monaten.) Dazu kommt das Zinserträgnis der auf der Raiffeisenkasse liegenden Deckung, d. h. 6 Prozent von 12.000 Schilling gleich 720 Schilling pro anno. Zählt man diese drei Posten zusammen, so kömmt man auf eine jährliche Mehreinnahme von über 2.000 Schilling, einen Betrag, der in dem bescheidenen Haushalt der Gemeinde, wo der Bürgermeister ein Jahresgehalt von 1.800 Schilling bezieht, schon einigermaßen mitzählt. Der wesentliche, mehr ins Gewicht fallende mittelbare Vorteil des Systems liegt nun aber nach den Angaben des Bürgermeisters darin, dass schon im ersten halben Jahre sehr beträchtliche Steuerrückstände, und zwar zu etwa 90 Prozent in Schwundgeld, an die Gemeinde abgeliefert wurden. Die jährlichen Einnahmerückstände, die vom Jahre 1926 bis Ende 1931 von 26.000 Schilling auf 118.000 Schilling gestiegen seien, hätten sich im Jahre 1932 erheblich vermindert, indem 79.000 Schilling davon eingingen. Für diese natürlich sehr wichtige Aufgabe, die auch in einer kürzlich von Hans Burgstaller, dem Redakteur des Wörgler Anzeigers herausgegebenen Schrift: „Die Rettung Österreichs, das Wörgler Beispiel“ Erwähnung findet, konnte ich allerdings bei der Tiroler Landesregierung, wo mir der zuständige Referent, Hofrat Dr. B., liebenswürdigste Auskunft erteilte, keine volle Bestätigung erlangen. Der betreffende Beamte kommt auf Grund der ihm zur Verfügung stehenden Akten zum Schlusse, dass in Wörgl die Eingänge aus den selbständigen Gemeindesteuern vom Jahre 1931 auf 1932 eine auffällige Steigerung erfahren haben. So stieg der Ertrag aus der Vergnügungs-, Ankündigungs- und Hundesteuer von 5.300 auf 5.900 Schilling, derjenige aus den Zuschlägen zur Grundsteuer von 16.500 auf 28.570 Schilling, der Zuschläge zur Gebäudesteuer von 14.170 auf 23.560 Schilling, dies sind Mehrleistungen, die sich nur aus dem Eingang von Rückständen erklären lassen, im Ausmaß aber hinter den Angaben des Bürgermeisters zurückbleiben. Im gleichen Zeitraum sanken die Ertragsanteile der Bundessteuern von 57.000 auf 43.800 und diejenigen aus den Landessteuern von 31.900 auf 17.100 Schilling. Eine Steigerung der Steuerleistungen zugunsten der Gemeinde hat demnach unzweifelhaft stattgefunden, über das strittige Ausmaß derselben könnte meines Erachtens nur dadurch entschieden werden, dass ein unparteiischer Buchsachverständiger die gesamte Rechnungsführung der Gemeinde einer kritischen Nachprüfung unterzöge. Unterguggenberger gibt an, dass nicht nur die rückständigen Steuern eingingen, sondern dass auch die neu fällig werdenden Steuerbeträge rasch bezahlt würden, ja, dass es vorkomme, dass Steuern im voraus entrichtet würden. Die Steuerfreudigkeit der Wörgler Bürger erklärt sich meines Erachtens sehr einfach daraus, dass der Kaufmann, der eine größere Summe von Schwundgeld am Ende des Monats in seiner Kasse liegen hat, dieses Geld am leichtesten, und ohne Verlust, los wird, wenn er seine Verpflichtungen an die Gemeinde erfüllt. Es hat eine Umstellung in der Bewertung dieser Verpflichtungen stattgefunden. Kam die Zahlung der Steuer sonst an letzter Stelle, so rückte sie nun in den ersten Rang. Es wäre deshalb wichtig, zu untersuchen, ob nicht den gesteigerten Steuerleistungen eine zunehmende, anderweitige Verschuldung der Gewerbetreibenden parallel ging, z. B. eine Verschuldung bei den Lieferanten in Innsbruck und Wien. Hierüber fehlen mir Angaben. Ich konnte lediglich auf der Raiffeisenkasse vernehmen, dass die Spareinlagen nach einem vorübergehenden Zuwachs im August 1932 sich ungefähr gleichgehalten haben wie früher, was bei dem allgemeinen Rückgang der Wirtschaftslage wohl schon ein Aktivum darstellt. Wichtig ist, dass die Raiffeisenkasse Notgeld ohne Abzug auf Sparbüchlein entgegen nimmt, wenn der Einleger sich bereit erklärt, mit einer späteren Rückzahlung in Schwundgeld einverstanden zu sein.

Die produktive Arbeitslosenfürsorge

Dank dieser erwähnten, aus verschiedenen Quellen der Gemeinde zufließenden Geldmittel, dank auch von Zuschüssen aus der produktiven Arbeitslosenfürsorge und eines Notstandskredites des Landes Tirol von 12.000 Schilling, war es nun der Gemeinde möglich, ein recht großzügiges Arbeitsbeschaffungsprogramm zur Ausführung zu bringen. Es wurden in den wichtigsten Straßen der Gemeinde Kanalisationsarbeiten durchgeführt, die Straßen selbst wurden verbessert und größtenteils asphaltiert. Die Bahnhofstraße erhielt eine moderne Beleuchtung. In günstigstem Gelände, im Süden der Gemeinde, wurde eine Skisprungschanze errichtet, auf der bereits im Januar 1933 ein gut besuchtes Wettspringen stattfand, wobei Sprünge bis gegen 60 Meter erzielt wurden. Die Gemeindemühle erhielt ein neues Waschhaus und ein Holzhaus, auch wurde eine neue Notstandsküche eingerichtet. Die Gesamtausgaben für all diese Notstandsarbeiten sollen sich auf etwa 100.000 Schilling belaufen. Die Lohnzahlungen für diese Arbeiten erfolgten ausschließlich in Arbeitswertscheinen. Dass all diese Arbeiten, abgesehen von der Beschäftigung der Arbeitslosen, für die Gemeinde dauernde Werte schufen, ist nicht zu bestreiten. Besondere Bedeutung hat die Asphaltierung der Hauptstraße, die früher wegen ihres unzulänglichen Zustandes allgemein bekannt und gefürchtet gewesen sei. Eine Inschrift an einem Haus in Wörgl erinnert noch heute drastisch an diese früheren Verhältnisse, sie lautet: „Das größte aller Laster, ist, Wörgl, dein Straßenpflaster!“ Durch die Beseitigung dieses „Lasters“ soll der Zustrom von Fremden merklich gestiegen sein. (2)

Nach der Meinung des Bürgermeisters hat aber nicht nur die Gemeindekasse von dem Schwundgeld profitiert, sondern das raschere Kreisen des Wörgler Geldes habe die gesamte Wirtschaft belebt, und habe wie ein Lösungsmittel auf alle möglichen eingefrorenen Schuldverhältnisse gewirkt, überall Brot und Arbeit schaffend. Diese Überzeugung scheint in Wörgl weit verbreitet zu sein.

Begleichung der Gemeindeschulden

Etwas weniger glanzvoll freilich steht Wörgl da, wenn man fragt, wie die Gemeinde ihren Schuldverpflichtungen gegenüber der Sparkasse in Innsbruck nachkomme, von der sie, wie erwähnt, in früheren Perioden Darlehen in ungeheurem Ausmaß von 1.290.000 Schilling erhielt, die heute mit 9 Prozent verzinst werden sollten. Obschon die Sparkasse einen gewissen Nachlass auf die schon Ende 1931 50.000 Schilling betragenden Zinsrückstände gewährte, war Wörgl nicht in der Lage, die Zinsleistungen in bar abzuführen. Der gewandte Bürgermeister inaugurierte eine etwas eigentümliche Art der Bezahlung. Er trat nämlich an die Sparkasse diverse Forderungen der Gemeinde ab, vor allem eine Forderung von 50.000 Schilling an das Land Tirol aus dem Jahre 1927, die die Gemeinde aus einer Leistung von Straßenbauten vom Lande und einigen Nachbargemeinden zugute habe und die mit Einrechnung der Verzugszinsen heute einen Wert von 70.000 Schilling darstelle. Ferner wurde ein der Gemeinde gehören- des Einlagebuch der Wörgler Raiffeisenkasse im Betrag von 37.000 Schilling, ein praktisch fest eingefrorenes Guthaben, der Sparkasse überwiesen. Ob diese von diesem Zahlungsmodus sehr erbaut ist, weiß ich nicht; erscheint fraglich. Unterguggenberger ist allerdings der Meinung (in Konsequenz seiner Freigeldüberzeugung), dass diese „Zinsknechtschaft“ von 9 und 10 Prozent eine Ungeheuerlichkeit darstelle; die auf die Länge in keiner Weise aufrecht gehalten werden könne, ja sogar rückwirkend her- abgesetzt werden müsse. Ein Zinsfuß von 5 Prozent wäre tragbar. Er glaubt es deshalb verantworten zu können, die vorhandenen Mittel für Neuinvestitionen auszugeben.

Äußere Widerstände und Kritik der Landesregierung

Trotz der Beliebtheit des Notgeldes in Wörgl selbst sind dem Versuch erhebliche Schwierigkeiten erwachsen. Einerseits von seiten der Leitung der sozialdemokratischen Partei in Tirol, der Unterguggenberger seit Jahren angehört, obgleich er, wie er immer betonte, kein Marxist ist. Die sozialistischen Parteiführer wollen in Tirol, wie überall, von der Freigeldlehre nichts wissen, und haben den Bürgermeister oft gedrängt, von dieser fragwürdigen, im Parteiprogramm nicht vorgesehenen Schwundgeldsache abzustehen. Unterguggenberger läßt sich aber nichts vorschreiben. Sehr viel ernsthafter ist der Widerstand, den die österreichische Nationalbank dem Notgeld von allem Anfang an entgegensetzte. Sie sieht in der Herausgabe dieses Papiergeldes durch die Gemeinde eine Verletzung ihres Notenprivilegs, und hat sogleich auf ein Verbot des Wörgler Geldes gedrängt. Dank verschiedener Eingaben und Rekurse an die Tiroler Landesregierung ist es dem Gemeinderat geglückt, die Durchführung des Verbotes aufzuhalten. (3) Juristisch gesehen ist die Nationalbank wohl im Recht, sofern man die Wörgler Scheine als Geld betrachtet, obschon kein Gläubiger sich durch Zahlung in Schwundgeld als befriedigt erklären muss. Ob es freilich notwendig und klug ist, dieses Experiment zu unterbinden, ist eine andere Frage. Sie wird vom zuständigen Referenten in der Landesregierung in Innsbruck, Hofrat Dr. B., einem theoretischen Gegner der Freigeldlehre, eher verneint. Er kennzeichnet die Schwundscheine als eine Art unverzinsliche Schuldverschreibungen der Gemeinde, die einer verkappten 12prozentigen Umsatzsteuer unterworfen sind. Er sieht, wie er das auch in einem Gutachten zu Händen der Regierung näher ausführte, in dem Versuch der Wörgler Selbsthilfe ein schönes Zeichen des wieder erwachsenden Gemeinsinns und anerkennt die günstigen Wirkungen. Seine Kritik richtet sich gegen die Deckung, die ungenügend sei. Das Depot der 12.000 Schilling sollte nach seiner Meinung der schon zu drei Vierteln eingefrorenen Raiffeisenkasse entzogen werden, da es Gefahr laufe, dort immobil zu werden, womit dann die Deckung dahin fiele. Diese sollte bei einer Bank in Innsbruck, oder bei der Nationalbank selbst angelegt werden, und zwar auf ein Sperrkonto, wo es nicht wieder ausgeliehen werden dürfte, und somit auch keine Zinsen einbrächte, so daß keine Vermehrung der Zahlungsmittel stattfände und jede Inflationswirkung ausgeschlossen wäre. Falls Wörgl mit dieser Änderung einverstanden wäre, könnte er keinen zwingenden Grund für die Aufrechterhaltung des Verbotes sehen. Jedenfalls sei das Wörgler Notgeld eine ungleich harmlosere Sache als die Kreditexpansion zahlreicher anderer Institute, die keineswegs eine so rigorose Behandlung durch die Behörden gefunden hätten, wie man sie der Aktion der Gemeinde Wörgl unter Hinweis auf den Buchstaben des Notenbankstatutes zuteil werden ließ. (4)

Weitere Erfolge

Ein Umstand, der vermutlich die Nationalbank zu schärferem Vorgehen veranlasst, ist das Umsichgreifen des Experiments. Am 1. Januar hat die Nachbargemeinde Kirchbichel, eine ebenfalls stark industrielle Gemeinde von 3.000 Einwohnern, ihrerseits Schwundgeld ganz nach dem Wörgler Muster im Betrag von vorläufig 3.000 Schilling in Umlauf gebracht. Die Scheine der beiden Gemeinden gelten beiderorts. Vier weitere Tiroler Gemeinden, Hopfengarten-Markt und -Land, Brixen und Westen-
dorf, Ortschaften mit zusammen etwa 16.000 Einwohnern, haben ebenfalls grundsätzlich die Ausgabe von Schwundgeld beschlossen, wollen aber noch abwarten, wie sich der Konflikt zwischen Wörgl und der Nationalbank erledigt. Wörgl ist inzwischen zu einem Mekka aller Freigeldler geworden, aus
den andern Teilen Österreichs und vor allem aus der Schweiz pilgern sie hin, um die erste, wenigstens teilweise, Verwirklichung ihrer Doktrin sich anzusehen. ** Ein Riesenbriefwechsel, Anfragen aus aller Welt, sammelt sich auf dem Schreibtisch des Bürgermeisters, der weder französisch noch englisch versteht, und einen besonderen Übersetzungsdienst einrichten
musste. Besonders starkes Interesse zeigt der bekannte amerikanische Nationalökonom, Irving Fisher, der einen in Genf weilenden Mitarbeiter in spezieller Mission nach Wörgl sandte. Als ich Anfang April dort war, traf ich ebenfalls auf eine Dozentin der Nationalökonomie der Yale University, mit der ich zusammen von Geschäft zu Geschäft zog. Aber auch die Vertreter der okkulten Wissenschaften, die Astrologen, interessieren sich für Wörgl; sie erkundigten sich nach dem genauen Geburtsdatum des Bürgermeisters, das auf den 15. August 1884 fällt, und stellten ihm ein Horoskop, das dem – natürlich – im Zeichen des Löwen Geborenen sehr viel, durch zähe Energie zu erkämpfenden Erfolg verspreche, und infolge einer besonderen Konstellation des Neptuns auf eine Berufung zur Überwindung des Metallismus (Goldwährung) hinweise. – Unterguggenberger steht diesen Eröffnungen recht skeptisch gegenüber.

Schlussfolgerungen

Dass dieser Zustrom von Wissbegierigen sich für Wörgl auch wirtschaftlich günstig auswirkt, ist selbstverständlich. Ebenso wichtig aber scheint mir ein rein psychologisches Moment: Der Wörgler Bürger ist sich bewusst, dass in seiner Gemeinde etwas gegen die Krise geschieht, dass man nicht einfach resigniert oder Hilfe vom Staat erwartet, (der Staat erscheint hier eher in Gestalt der Nationalbank als der Störenfried), ja dass der Wörgler Versuch in der Welt Beachtung gefunden hat, und daß sehr ernsthafte Gelehrte ihm grundsätzlich zustimmen. Dies alles gibt dem Wörgler Bürger ein moralisches Plus. Es ist dies ein irrationales Moment, das in einer Wirtschaftsrechnung unmittelbar nicht aufscheint, daß zu übersehen auch vom Standpunkt der Ökonomie dennoch ein Fehler wäre. Ein objektives Urteil muss also zugeben, daß der Versuch für die Gemeinde Wörgl von Vorteil gewesen ist. Wer sind die Leidtragenden? Es liegt nahe zu sagen, es komme einfach darauf hinaus, daß die Arbeiter und Angestellten und vor allem die Gewerbetreibenden, eine Summe von kleinen Verlusten freiwillig trügen, die dann als Gewinn bei der Gemeindekasse aufscheinen. Diese Betrachtung wäre aber einseitig. Sie übersieht, dass die Gemeinde nicht bloß aus einigen Funktionären besteht, sondern aus der Gesamheit aller Bürger, und dass ein Zusammenbruch der Gemeinde alle mitreißt. Es ist deshalb sehr wohl möglich, dass sich die kleinen Opfer, die da gebracht werden müssen, auch rein wirtschaftlich durchaus rechtfertigen. Man denke an die früher besprochenen fruchtbaren Anlagen, besonders daran, daß die Asphaltierung der Hauptstraße ohne das Schwundgeld nicht möglich gewesen sein soll, und setze dann die mannigfachen Vorteile ein, die aus diesen Verbesserungen für alle Bürger, vor allem aber für die an der Hauptstraße gelegenen Geschäfte sich ergeben. Dass die allerdings recht bedrückenden Schulden an die Sparkasse in Innsbruck rascher oder einwandfreier ohne das Schwundgeld abbezahlt worden wären, erscheint als äußerst unwahrscheinlich. Eine wenigstens teilweise Verwertung der dank des Schwundgeldes einfließenden Mehreinnahmen der Gemeinde, besonders der Steuerrückstände, zur Begleichung der Sparkassenschulden – wofür gewiss manches spräche – sei unmöglich gewesen, weil dies dem ganzen Sinn der Nothilfeaktion widersprochen hätte. Was an Notgeld einging, musste wiederum unmittelbar in den Dienst der Fürsorge und der Arbeitsbeschaffung gestellt werden. Andererseits konnten die Gewerbetreibenden ihre Steuerschulden vermutlich vor allem deshalb entrichten, weil dank der 100.000 Schilling, die für Neuinvestitionen ausgegeben wurden, sich ihre wirtschaftliche Lage gebessert hatte. Zu beanstanden ist natürlich die enorme Verschuldung der Gemeinde an sich, die auf Sünden frührer Zeiten zurückgeht und sich leider bei österreichischen Gemeinden vielfach findet. Neben Wörgl sollen auch andere industrielle Tiroler Gemeinden, die unter der Wirtschaftskrise noch mehr leiden, wie die auf Landwirtschaft eingestellten Gemeinwesen, mit der Verzinsung ihrer Darlehen in Rückstand stehen. Eine Vermehrung der Zahlungsmittel hat zweifellos stattgefunden. Nach der herrschenden Geldlehre müsste sich daraus eine inflationistische Wirkung ergeben, unabhängig davon, ob die zusätzlichen Kredite für wirtschaftlich zweckmäßige oder unzweckmäßige Unternehmungen verwendet wurden, eine Auffassung, die bekanntlich sehr umstritten ist. Eine Steigerung der Preise in Wörgl ist nun aber nicht festzustellen. Dass die gemachten Neuinvestitionen wirtschaftlich zweckmäßig waren, wird man geneigt sein zu bejahen, wenn auch ein endgültiges Urteil hierüber erst in einem Zeitpunkt möglich sein wird, wo sich rückblickend die Rentabilität der Anlagen wird errechnen oder wenigstens schätzen lassen. Und den Theoretikern, die jede Vermehrung der Zahlungsmittel verwerfen, wäre zu sagen, dass der Wörgler Versuch weitergehen könnte, auch wenn den Vorschlägen des Innsbrucker Referenten auf Stillegung der Deckung Folge geleistet würde. Es wäre deshalb durchaus möglich, dass auch eine genaueste Analyse (die besonders noch die Frage der auswärtigen Verschuldung der Geschäftsleute zu prüfen hätte) zum Schlusse käme, dass es Leidtragende in Wörgl nicht gibt. Es wäre dann das Wunder geschehen, dass wirtschaftliche Werte aus Nichts entstanden wären. Das scheint unmöglich, allerdings nur, sofern man einen guten Gedanken, eine gute Organisation und tätigen Gemeinschaftssinn als ein wirtschaftliches Nichts betrachtet, eine Auffassung, die vielleicht doch nicht als der Weisheit letzter Schluß zu gelten hat.
Mit Schlussfolgerungen aus dem Verlauf des Wörgler Versuchs auf den Wert der Freigeldlehre in ihrer Gesamtheit ist freilich Vorsicht am Platz. Wörgl arbeitet heute mit zwei Geldsystemen, von denen das eine, das Schwundgeld, durch den amtlichen Schilling und somit letzten Endes durch den freilich ebenfalls schwindenden Goldschatz der Nationalbank gedeckt ist. Wie sich die Dinge gestalten würden, wenn eine Gemeinschaft ausschließlich Schwundgeld zirkulieren ließe, darüber kann meines Erachtens der Wörgler Versuch keine bindende Auskunft geben. Nach der universalistischen Lehre ist das Geld nach seinem Stufenwert zu unterscheiden. Der höchsten Stufe entsprächen die Banknoten der Nationalbanken, der volkswirtschaftlichen Stufe die Wechsel, Schecks, Buchungen großer Bankhäuser und Firmen. Die Wörgler Arbeitsscheine stellen dagegen eine Geldschöpfung auf der Stufe der Gemeinde dar, welche unter der Bürgschaft des Geldes höherer und höchster Stufe (Banknoten) stehen, und der ganze Versuch leistet den Nachweis, daß eine solche Geldschöpfung für den rein lokalen Umkreis in außerordentlichen Verhältnissen nennenswerte Vorteile haben kann.

(Abgeschlossen Anfang Mai 1933)

Anmerkungen des Verfassers

(1) Die Rückseite der Noten ist mit folgender Inschrift versehen: An Alle! Langsam umlaufendes Geld hat die Welt in eine unerhörte Wirtschaftskrise und Millionen schaffender Menschen in unsägliche Not gestürzt. Der Untergang der Welt hat (rein wirtschaftlich gesehen) seinen furchtbaren Anfang genommen. – Es ist Zeit durch klares Erkennen und entschlossenes Handeln die abwärts rollende Wirtschaftsmaschine zu retten, damit die Menschheit nicht in Bruderkriege, Wirrnisse und Auflösung getrieben werde. Die Menschen leben vom Austausch ihrer Leistungen. Der langsame Geldumlauf hat den Leistungsaustausch zum großen Teil unterbunden und Millionen arbeitsbereiter Menschen haben dadurch bereits ihren Lebensraum im Wirtschaftsgetriebe verloren. – Der Leistungsaustausch muss daher wieder gehoben und der Lebensraum für alle bereits ausgestoßenen wieder zurückgewonnen werden. Diesem Ziel dient der Arbeitsbestätigungsschein der Marktgemeinde Wörgl: Er lindert die Not, gibt Arbeit und Brot!

(2) Anfang Januar übergab mir Unterguggenberger folgende Aufzählung der geleisteten produktiven Arbeiten: 1. Straßenbau: Bahnhofstraße, Brixentalerstraße, 2 Nebenstraßen = 6.404 qm Ausbau und Asphaltierung; Kirchenplatz, Hauptschuleingang = 702 qm Ausbau und Asphaltierung. 2. Kanalisation: Jahnstraße, Brixentaler Straße, Volksschule, Gemeinde, Mühle = 250 Meter in 4 Meter Tiefe verlegt, 350 Meter in 3 Meter Tiefe verlegt. 3. Wegbauten, Neubeschotterung von Wegen und Straßen, Walzung: Alte Straße im Lahntal: 1.200 qm; Wege zu Egerndorf: 2.200 qm; Wege in Winkl: 1.300 qm; Diverse Straßen: 8.000 qm; Fußweg, Sebastianquelle, Badl Neuanlage: 800 qm. 4. Gewinnung und Herstellung von Schotter: Grundbaustein, weiße Kalksteine, Müllnertal: 541 m³; rote Kalksteine, Winkl: 600 m³; Walzschotter, rote Kalksteine, Winkl: 400 m³; weiße Kalksteine: 353 m³, Asphaltriesel: 294 m³, Schotter und Sandgrube von Badl-Bachl: 200 m³. 5. Herstellung von Betonrandsteinen: Müllnertal: 1.600 laufende Meter. 6. Herstellung von Kanalisationsrohren: Müllnertal: 1.600 laufende Meter. 7. Bau der Skisprungschanze: Schanze 3-25 Meter breite Fahrbahn, Waldrodung, 36 Meter lange Anlaufbahn, Sprungweite bis 60 Meter, Sprungtisch und
Preisrichterbühne: 300 Arbeiterschichten. 8. Rodung der alten Alleebäume zur Verbreiterung der Bahnhofzufahrt: 32 Kastanienbäume ausgegraben: 150 Arbeiterschichten; 32 Kastanienbäume in breitem Abstand neu versetzt: 50 Arbeiterschichten. 9. Neuanlage eines Wasserbeckens im Winkl. 10. Herstellung neuer Einfriedungen. 11. Ausbau der Gemeindekanzleien: Aufwand für Material und Arbeit: 7.500 Schilling. 12. Ausbau der Notstandsküche: 800
Schilling. 13. Waschhaus und Hölzlage z. Mühle: 600 Schilling. 14. Eine Reihe kleinerer Arbeiten: Kircheneingang, Ausgestaltung der Räume für Elektrizitätswerk usw.: 200 Schilling.

(3) Seit Anfang Mai musste die weitere Auszahlung von Schwundgeld auf Befehl der Bezirkshauptmannschaft eingestellt werden. Es läuft nun noch ein Rekurs an den Verwaltungsgerichtshof, ohne aufschiebende Wirkung, auf den die Gemeinde ihre letzte Hoffnung setzt.

(4) Vergleiche auch einen Artikel „Die Wörgler Arbeitsscheine“ in den Innsbrucker Nachrichten vom 27. April 1932 von „fachmännischer Seite“.

Anmerkungen des Herausgebers Klaus Schmitt

* Dieser ungekürzte Nachdruck aus der konservativen Zeitschreift ‘Ständisches Leben‘ 6/
1933 (Hg.: Othmar Spann), S. 306ff., ist der unvoreingenommene Bericht eines neutralen
Beobachters des Wörgler Schwundgeld-Experiments.

** Wie u. a. der ehemalige französische Ministerpräsident Daladier. In einer Rede vor
seinen Parteigenossen von der Radikalsozialistischen Partei wendet er sich gegen die staatli-
che „Planwirtschaft“, die er während einer Reise in die Sowjetunion studiert hatte, und pro-
pagiert statt dessen das Wörgler Schwundgeld. In dieser Rede beruft er sich auf Turgot, zi-
tiert Proudhon und forderte die Wiederbelebung der Tradition der „Bewegung von 1789 in wirtschaftlicher Hinsicht“ – offenbar die der klassischen Physiokraten (Eduard Daladier… über Wirtschaftsreform und Freigeld, Sonderdruck zu ‘Die Freiwirtschaft‘, Kitzbühl, Tirol).

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